Essen-Erde-Ernte

„Essen-Erde-Ernte“ erprobt einen lokalen, geschlossenen Kreislauf für die Verwendung und Aufwertung von Lebensmittelresten zur Vermeidung von Abfall. Mit einfachen Methoden zeigen wir, wie aus „Bioabfall“ einer KITA ein Terra Preta-ähnliches Substrat hergestellt wird, das den Boden unseres Stadtgartens speicherfähiger und fruchtbarer macht. Wir tragen damit zur Diskussion über nachhaltigen Konsum bei und sensibilisieren für klimagerechtes Gärtnern (Klimafarming).

MenschenskinderGarten, © Martina Peter

Wer, was und wann

menschenskinder-berlin gGmbH ist ein anerkannter freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe für Bildung, Begegnung und Beratung in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg. Zum Träger gehören zwei Kindertagesstätten, ein Familienzentrum, sowie verschiedene Projekte sozialpädagogischer Gruppen- und Familienarbeit. Teil des Familienzentrums Menschenskinder ist der MenschenskinderGarten - ein inklusiver Nachbarschaftsgarten, der sehr vielfältige soziale, kulturelle und umweltsensible Bildungsmöglichkeiten bietet. Unser Garten wächst und entwickelt sich seit 2012 stetig weiter. Die ehrenamtliche Gartengemeinschaft besteht aus Eltern und Kindern der KITA und des Familienzentrums sowie aus Familien und Einzelpersonen aus der Nachbarschaft. Er wird von einer Mitarbeiterin des Familienzentrums koordiniert. Darüber hinaus ist der MenschenskinderGarten Bestandteil eines Netzwerks u.a. von Bildungseinrichtungen und Vereinen im Umfeld des Familienzentrums (benachbarte Schulen und KITAS, Hospiz, Familienzentren, Volkssolidarität für die Arbeit mit SeniorInnen u.v.m.).

Die Idee für das Projekt „ Essen-Erde-Ernte“ ist aus der Gartengemeinschaft heraus entstanden und wird von allen Beteiligten ehrenamtlich und mit viel Engagement umgesetzt. Fachlich beraten werden wir durch das Ithaka Institute for Carbon Strategies, hier insbesondere vom deutschen Ansprechpartner Dr. Haiko Pieplow.

Hintergrund und Ziele

Pro Tag fallen in der Kita ca. 10 l Essensabfälle an. Sie werden gesammelt, einem Fermentierungsprozess (Bokashi) unterzogen, mit Hilfe von selbst hergestellter Pflanzenkohle aufgewertet, vererdet und in die Böden des Nachbarschaftsgartens eingearbeitet. Die so entstandene humusreiche Erde (Terra Preta) schont die natürlichen Ressourcen durch die Schließung von Stoffkreisläufen. Sie ist klimaneutraler Dünger für den verbesserten Anbau von Lebensmitteln, die wiederum der KITA und den GärtnerInnen zur Verfügung stehen. Die langfristige Speicherung von Kohlenstoff im Boden ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Schautafeln und Workshops vermitteln praktische Fertigkeiten für eine nachhaltige Ess- und Bodenkultur in Stadtgärten.

Die Verbindung von Verwertung, Anbau und Lebensmittelherstellung macht die Konzeption des geschlossenen Kreislaufs anschaulich, realisierbar und nachahmenswert. Mit dem Projekt machen wir auf umweltbelastende Konsum- und Verhaltensgewohnheiten aufmerksam und bereichern die Bildungsformate des MenschenskinderGartens als externer Umweltbildungsort im Stadtzentrum. Wir erreichen Schulen und Vereine ebenso wie einen stetig über den bestehenden BesucherInnenverkehr des Familienzentrums und der KITA hinauswachsenden (auch bisher nicht naturaffinen) Interessiertenkreis So ist z.B. in unserem Garten das Herstellen der Pflanzenkohle im „Erd-Kon-Tiki“(Pyrolyse) ein kleines Fest für alle und ein kulturelles Highlight. Denn wir kochen ein gemeinsames Essen im Feuertopf, den wir in der Glut vergraben.

Unsere Ziele:

  1. den MenschenskinderGarten als Lern- und Experimentierort etablieren. Das Wissen um das Bokashi- und Pflanzenkohleverfahren wird weitergegeben. NachbarInnen sowie Bildungs- und Kultureinrichtungen werden befähigt, selbst ein solches Kreislaufverfahren anzuwenden und einzelne Lernfelder - vom biochemischen Vergärungsprozess bis zur mikrobiologischen Untersuchung von Bodenproben - zu nutzen. Über den Vergleich mit nicht aufgewerteten Referenzbodenflächen wird die Effektivität des Verfahrens veranschaulicht (Bodenstruktur, Gartenertrag etc.).
  2. die Erprobung von kleinteiligen, dezentralen Kreisläufen darstellen. Wir zeigen, unter welchen Bedingungen das Bokashi- und Holzkohleverfahren in urbanen Gemeinschaftsgärten, aber auch in kleinen Haushalten ohne Garten, umgesetzt werden kann. Durch die Einbeziehung weiterer sozialer oder kultureller Einrichtungen im Umfeld wollen wir die Methode auch in größerem Maßstab anwenden und die Verwertung der Abfälle von 10 l/Tag, auf 50 l/Tag steigern.
  3. Die Diskussion über nachhaltigen Konsum unterstützen und öffentlichkeitswirksam Methoden des Klimafarmings thematisieren und erlebbar machen. Um die Erfahrungen und das Wissen über die Verwertung von organischen Abfällen sichtbar zu machen, betreiben wir Öffentlichkeitsarbeit, erstellen Lernmaterialien und Infotafeln und bieten vor allem zu jeder Jahreszeit praktische Lerntage und Workshops an.

Im Sinne der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung vermitteln wir praktische Kenntnisse zu den Zielen Ernährungssicherung, Gesundheit, Bildung, Stadtentwicklung, Konsum und Klimawandel und zeigen, wie jede(r) selbst aktiv werden kann. Dank der günstigen räumlichen Verbindung von Garten, KITA(s) und Familienzentrum können bereits jüngere Kinder nachhaltige Alltagshandlungen erlernen. Menschen aller Altersgruppen erfahren bewussten Umgang mit Lebensmitteln, erfahren eine neue Form der Esskultur und lernen, wie eigenes nachhaltiges Handeln Ressourcen schont und die Biodiversität des Bodens angereichert werden kann.

„Essen-Erde-Ernte“ stellt ein Gegenmodell zum hohen Ressourcenverbrauch durch Lebensmittelverschwendung, zum Verlust der Bodenfruchtbarkeit und dem damit verbundenen Wirtschaften dar. Wichtig sind dabei die Einbeziehung verschiedener Akteure und der Aufbau neuer interdisziplinärer Kooperationsbeziehungen, um viele Perspektiven in das Projekt einzubringen und seine Effizienz und Übertragbarkeit in größere Maßstäbe zu sichern.

Austausch und Unterstützung

Engagierte Menschen mit Interesse an gemeinschaftlichem Gärtnern sind herzlich willkommen und werden immer gebraucht. Dabei muss nicht jede(r) Garten- oder KlimaexpertIn sein. Wir freuen uns über Menschen, die Lust haben mit uns gemeinsam zu lernen und Ideen zu entwickeln und auszuprobieren.

Eine Zusammenarbeit mit Experten, z.B. aus Wissenschaft und Forschung, Studentengruppen etc. wäre sinnvoll, um unsere Arbeit auf tragfähigere Füße zu stellen. Gleichzeitig kann diese Kooperation unserem Projekt zu mehr Aufmerksamkeit und Argumentationskraft verhelfen – z.B. über wissenschaftliche Begleitung in Form von Studien oder Evaluationen.

Darüber hinaus benötigen wir Geld, um weiter voranzuschreiten (Verbesserung der Ausstattung des Projektes, Honorarmittel für Bildungsformate etc.). UntersützerInnen, die sich mit Fundraising auskennen.

Wir wünschen uns professionelle Unterstützung beim weiteren Aufbau einer Medienstrategie (Crowdfunding, Netzauftritt, Film - Lernvideo) für unsere Öffentlichkeitsarbeit, um uns noch besser zu vernetzen und der Idee zu einer größeren Bekanntheit zu verhelfen.

Wir hoffen sehr unser Projekt gefällt Euch und Ihr unterstützt uns. In welcher Form auch immer. Wir sehen uns im Garten ;-)

Kontakt

Ansprechperson: Martina Peter
Webseite: https://www.menschenskinder-berlin.eu/nachbarschaftsgarten/
E-Mail: familienzentrum[at]menschenskinder-berlin.eu
Telefon: 030 – 54 59 49 06 Fax 030 – 61 74 73 87

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Gartengemeinschaft MenschenskinderGarten