Sugar Daddy

Das Engagement des amerikanischen Filmemachers Jason Glaser für die Rechte der Zuckerrohrplantagenarbeiter - basierend auf Interviewarbeit vor Ort

Park der Poeten in León - Ohne Poesie keine Stadt, © Evelyn Bernadette Mayr

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Evelyn Bernadette Mayr

Diese Nierenkrankheit der Zuckerrohrplantagenarbeiter, die sie nicht alt werden ließ – die meisten starben zwischen dreißig und vierzig, viele waren mit Mitte zwanzig schon krank – das war das deutlichste Abbild einer gescheiterten Wirtschaft. Es war das Ergebnis von Monokultur, der deutliche Widerhall von dereguliertem Kapitalismus, unter der Führung des Präsidenten Daniel Ortega, ohne viele Regulierungsmaßnahmen getragen. Das Extrahieren, das Gewinnbringen, das Ausbeuten. Das wird nirgendwo so stark sichtbar wie beim frühen Sterben dieser Plantagenarbeiter: In der Niere sitzt die Lebenskraft, hieß es.

Für die süßen Augenblicke des Lebens

An den Linien zwischen dieser Stadt sei er aufgewachsen, thankful, holy shit, manche Menschen prägt ihre Umwelt mehr als andere. Zart und gläsern wirkt er, hochgewachsen, wie aus einer anderen Zeit. Diese Linie zwischen den Wohlständigen, die Grenzen zwischen den Klassen, zwischen den Farben der Menschen, den Rassen – auf der einen Seite die Wohlhabenden, Weißen, auf der anderen Seite die anderen, Marginalisierte, Randständige. Er spricht von Detroit und von sich als wohlhabendem, weißem, amerikanischem Kind, a oversensitive person, das über die Grenze geblickt und den Blick nicht mehr abwenden konnte. Why is this happening in America, the land of opportunies? Es sei rational nicht erklärbar, einem jungen Menschen könne man diese Situation nicht vernünftig erklären, verständlich machen vielleicht. Tiefgründige Aspekte struktureller Natur seien es. Die eigentlichen Linien verlaufen entlang der Bruchstellen in den Menschen selbst. Im College habe er nicht aufhören können, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Film und Fotografie waren seine Leidenschaften, an der Filmhochschule war er erfolgreich, aber wofür? In der Dunkelkammer versenkte sich seine Generation nicht mehr, lachte er. Das mache er erst heute wieder, aber auf andere Art, outdoor, bevorzugt in den unbeleuchteten Winkeln der Welt. Nach seinem Studium hatte er für HBO, MTV und NBC gearbeitet. Die Filmindustrie und New York – das hatte Spaß gemacht. Er war damals egoistischer als heute. Kameramann war für ihn der coolste Job der Welt, aber dann kam die überbordende Langeweile auf den New Yorker Sets, die in unruhig werden ließ. Überbezahlt Arbeit und geflutete Eintönigkeit, die manchmal aus nichts weiter bestand, als Scheinwerfer am Filmset zu positionieren. Für die süßen Augenblicke des Lebens – der rüde Lebenswandel rächte sich, das soziale Gewissen holte ihn ein. Was hatten Spiderman und I am a Legend mit ihm zu tun? Mit seiner Persönlichkeit, mit dem, was er wirklich machen wollte, worüber er wirklich sprechen wollte? You know, really fulfilling. I mean, we did´nt hurt people with what we did... Vielleicht war die größere Verletzung die der Untätigkeit. Mit 28, nach einer tiefen Krise, habe er begonnen, das Leben einzuholen, er habe begonnen zu entheben, was er den Schatten entheben konnte, und es zu drehen, zu betrachten, zu wenden. Er entwickelte sich zum Dokumentarfilmer, gründete eine gemeinnützige Organisation, La Isla Foundation, und setzte das, was er vom Leben wusste, für die Gesundheit von Zuckerrohrplantagenarbeiter ein.

Bitter-Sweet

In diesen Dörfern gab es kaum ältere Männer über vierzig, fiel ihm auf auf den ausgedehnten Reisen, alte Frauen ja, aber alte Männer nicht. Das war in Nicaragua so, ähnliche Berichte kamen ihm dann auch von Honduras zu Ohren, von El Salvador und von Kolumbien. Das jüngste Zentrum von La Isla Foundation wurde gerade in Peru aufgebaut. Eine globale Kampagne soll es werden, denn auch Staaten wie etwa Indien und Sri Lanka waren davon betroffen: Das Netzwerk war groß geworden, aus einer Notwendigkeit heraus. Etwas gegen uns zu unternehmen, wäre eine schlechte Idee, sagt er, nicht ohne Stolz, das haben sie in Nicaragua schnell gemerkt. Vor dem Verein La Isla Foundation steht tagaus, tagein einer von der policía nacional. Eine Angestellte fragt mich wiederholt, ob ich nicht Angst habe, bei dem, was ich hier frage. Es fällt mir schwer, den Ton ihrer Stimme und den Ausdruck in ihrem Gesicht bis ins letzte Detail zu begreifen.

Diamant-Zucker: Eine einfache Herstellung von Eis

Proteste gab es im März dieses Jahres, sie setzen Tränengas, die Polizei schlug sie nieder. Jason Glaser nannte dreimal während unseres Gesprächs das Wort faschistisch. Er gebrauchte es in einem individuellen und einem kollektiven Sinne, wie mit dem Einzelnen, aber auch mit dem Menschen in der Gemeinschaft verfahren wurde. Am Ende hätten sie auf ein 6-jähriges Mädchen eingeprügelt. Beim schieren Ausmaß von Daniel Ortegas Macht in Niaragua sei das verrückt, sagte er. Seit der ersten Periode Ortega nach dem Millenium nahm das Ausmaß von Gewalt immer mehr zu. Anatomie einer Ausschreitung heißt ihre Dokumentation über den Protest und die Gewalt der nicaraguanischen Polizei. Ich frage ihn nach dem Widerstand im Land, der Literatur, den jungen und alten Intellektuellen. Opportunismus und Anpassung regierte, der Mimesis wurde Vorschub geleistet. Vorhölle, in einem Land, in dem die Dichter die Hoffnung und die Sprache verloren. Seit dem Wahlverlust der Sandinisten 1990 und seit den Ortegas, die nach dem korrupten Präsidenten Alemán doch nur eine institutionalisierte Diktatur errichten, herrschte Resignation und Revolutionsnostalgie oder eben eine radikale Verneinung des Vergangenen. Man wollte zur Ruhe kommen in der Sprachlosigkeit, die Leere durchqueren, sich in der Ratlosigkeit und Ernüchterung einrichten. Gehört wurde, was angemessen und nützlich war. Der heutigen Generation schien es sicherer zu sein, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zu kultivieren, eine gewisse Ausweglosigkeit als gegeben anzunehmen, als sich mit Visionen gesellschaftlicher Veränderung zu quälen.

Würfelzucker aus der Hand

Männer opferten ihr Leben, weil sie wie Maschinen arbeiteten. Sie arbeiteten hart und ineffizient. Sie glaubten männlicher zu sein, wenn sie mehr schafften als andere. Es gab mehr Geld für ihre Familien. Sie waren zwischen dem Geld für die Familie und dem Beweisen der eigenen Stärke hin und her gerissen. Ich kann eine große Menge Zuckerrohr schneiden, sagten sie sich, also bin ich jemand. Dann war da noch die fatalistische Macho-Kult der Gesellschaft. Für einen Moment mochte es für manch einer romantisch, ehrenhaft sein, sich darüber zu definieren, was man mit Arbeit schaffte, um für die Familie zu sorgen. Den Selbstwert daran zu knüpfen, was an einem Tag möglich war, an Zuckerrohr zu ernten. Es blieb aber bei dem Moment. Nur wenige ließen sich rechtzeitig helfen. Sie sagten sich: Ich schaff das schon, ich schaff das schon, bis es schließlich zu spät war und sie ernstlich krank wurden. Es war wie eine tödliche Falle.

Sugardaddy

Die Menschen lebten nach der Sandinistischen Revolution zumindest im Bewusstsein, Rechte zu haben. In einem kleinen mittelamerikanischen Land namens Nicaragua waren die Ortegas mit den Pellas regelrecht verheiratet, erzählt Jason Glaser. Es seien wenige Familien, die das Land beherrschen, in der Wirtschaft. Das Gefälle zwischen Arm und Reich war enorm. Jason glaubte an den regulierten Markt, er sei kein Kommunist, sagte er. Doch der Markt brauche Regeln, sonst führe das für viele Menschen, wie zum Beispiel hier in Nicaragua, in die Sklaverei. Die Pellas waren einst eine der ersten Großfamilien in Granada, mit großen Schiffen an der Küste gelandet. Strukturell hatte sich seit der Kolonialisierung nach vier Jahrhunderten nicht viel geändert. Wenige Großfamilien waren die, die seit jeher herrschen. Es war aber auch eine Frage von ökonomischer Kultur, die letztlich eine geistige ist:

Diese Nierenkrankheit der Zuckerrohrplantagenarbeiter, die sie nicht alt werden ließ – die meisten starben zwischen dreißig und vierzig, viele waren mit Mitte zwanzig schon krank – das war das deutlichste Abbild einer gescheiterten Wirtschaft. Es war das Ergebnis von Monokultur, der deutliche Widerhall von dereguliertem Kapitalismus, von der Führung des Präsidenten Daniel Ortega ohne viele Regulierungsmaßnahmen getragen. Das Extrahieren, das Gewinnbringen, das Ausbeuten. Das wird nirgendwo so stark sichtbar wie beim frühen Sterben dieser Plantagenarbeiter: In der Niere sitzt die Lebenskraft, hieß es. Dieses ausbeuterische Wirtschaftssystem machte vor den Menschen nicht Halt. Sharlatanistic benannte er sie, diese Regierungsform von Daniel Ortega und Rosario Murillo, die angeblich sozialistisch hätte sein sollen. Die Finanzierung dieser Formen von Landwirtschaft durch die Weltbank in Form von Darlehen hätte niemals passieren dürfen, das ergriff Jason besonders. Jason Glaser schildert den Schiedsgerichtsmechanismus, mit dem sich die Ortegas Firmen einfach einverleibten und nach Gutdünken manipulierten. Niemand wollte zugeben, wie schrecklich das war, wenn dieses Monarchistenpaar mit Nahrungsmitteln, Spenden und Stipendien über den Köpfen der Armen herumwedelte und gleichzeitig der Presse erzählte, die Aussagen der Profiteure, die Ärmsten der Armen, wären Teil unabhängiger Studien. Das sei schlichtweg böse, unter dem Deckmantel des Guten: Wer wollte hören, dass nicht nur die Strukturen, der Kapitalismus, das misslungene öffentliche Gesundheitswesen Verantwortung trugen, dass es in erster Linie die Menschen waren? Alle – weltweit –, die von dieser Art des ökonomischen Zusammenlebens profitierten?

Sweet Family

Ein lösbares Problem, sagte Jason Glaser. Aber die dahinter liegenden Strukturen? Machismo sei allertiefster, reaktionärer Ausdruck von Kultur, meinte einst Sofia Montenegro. Dass mit diesem Männerbild eine Armut von Frauen einherging, war selten Thema. Viele Kinder von vielen Frauen, das war mittelamerikanische Männlichkeit, und hieß für einen Großteil der Frauen die Kinder selbst zu versorgen. Die Sandinisten, die erstmals Frauenrechte in Nicaragua einführten, entschieden sich letztlich in der Not des Bürgerkrieges für einen Rückgriff auf die althergebrachten machistischen Gesellschaftsstrukturen. Auch wenn in der Revolution ein Drittel Frauen in der Guerilla kämpften, in den Städten zuweilen bis zu fünfzig Prozent unter Waffen standen, León von weiblichen Comandantes eingenommen wurde und der Sturz der Diktatur eine Revolution der Frauen und der Dichterinnen war, so hatten sie diesen einen Kampf jedoch verloren: die Bastion des Männerkultes bleibt. Jason hielt manche Frauen in nicaraguanischen Familien auch irgendwie als gleichberechtigt, es ergäbe sich mit der Arbeitsteilung ein schönes Gleichgewicht und man berufe sich eher auf die Tradition und weniger auf den Machismo. Manchmal aber war diese Verteilung nur grausam, sagt er, und der Machismo zeigte seine hässliche Fratze. Junge Männer, erkrankt an CDK, ein Drittel zwischen zwanzig und dreißig, die meisten aber zwischen dreißig und vierzig Jahre alt, hinterließen Frauen und Kinder. In der Regel bedeutete das nicht nur, dass die Familie neben der Bürde der Krankheit und den Verlust des Familienmitglieds ohne Einkommen blieb, sondern letztendlich in den finanziellen Ruin getrieben wurde. Die Ausgaben im Gesundheitssystem für eine Jahre lange, manchmal aber Jahrzehnte lange Dialyse-Behandlung. CKD, chronische Nierenerkrankung, Chronic Kidney Disease, hieß dieses Krankheitsbild. Es war nicht nur die Dehydrierung, das Austrocknen oder das Sich-Ausliefern über Stunden an Hitze, Sonnenlicht und Mittagsglut. Es war die Kombination mit den Pestiziden bei dickerem Blut, die alles sehr schnell gehen lässt. Auch der Zucker tat das Seinige.

Das süße Leben, aus Freude am Genuss

Die Erntezeit hindurch standen die Männer jeden Morgen um drei oder vier Uhr Früh auf. Nach einem schnellen Frühstück verlud man sie auf Busse, häufig offene Lieferwagen, auf denen sie ungesichert mitfuhren und auch nicht selten verletzt wurden. Die Cutter, die das Zuckerrohr schnitten, starteten um fünf, spätestens um sechs Uhr auf der Plantage, arbeiteten ohne Unterlass bis Mittag, bekamen dann eine halbe Stunde Pause, um danach bis sechs oder manchmal bis acht Uhr weiterzuarbeiten. Die tropische Hitze von zweiunddreißig bis vierunddreißig Grad und die hohe Luftfeuchtigkeit erschwerte die Arbeitslast. Alles klebte am Körper, die Arbeiter verloren zweieinhalb Liter Flüssigkeit am Tag. Sie hatten weder genug zu trinken, das Wasser war verseucht im Umland der Felder, noch gab es genug Pausen, um dem Körper Zeit zu geben, das Wasser ordentlich aufzunehmen und nicht einfach durch den Körper hindurch laufen zu lassen. Die Pellas wehrten sich dagegen, Wasservorräte zur Verfügung zu stellen, weil es kontaminiert hätte sein könnte. Die Arbeiter verwendeten den Zucker als Aufputschmittel. Sie konnten von zu Hause nicht genug Wasser für den ganzen Tag mitnehmen. Sie wohnten auch nicht neben den Plantagen. Es gab pathologische Studien auch darüber, wie sich Wassermangel und Zuckerkonsum auf den Körper auswirkt. Offensichtlich war, dass dieser die Niere sehr stark angriff. Sie arbeitetn eben zu viel. Sie schnitten zu viel ab. Sie arbeiteten auch nicht praktisch, sondern hart. Aber es sagte ihnen auch niemand, wie man klug und praktisch arbeiten kann. Niemand erklärte ihnen, wie sie ihren Körper effizient einsetzen konnten. Mit Ergonomie und Bewegungsexperten hätten sie sogar mehr schneiden und Pausen machen können. Jason Glaser und seine Mitstreiter versuchten Firmen ins Boot zu holen. Um das Interesse von Konzernen überhaupt wecken zu können, musste man ihnen auch etwas anbieten. Sonst machten sie nichts. Das war das Traurige daran, sagte Glaser. Er hielt es für den Dreh- und Angelpunkt des eigentlichen Wahnsinns.

Pour un monde plus rose

In Nicaragua kämpften die Leute Jahre lang im Namen der Revolution für die Macht der Comandantes. Man lasse sie wie Tiere sterben, sagte Jason Glaser. Unter solchen Bedingungen war es schwierig, als NicaraguanerIn Vertrauen zu fassen. Jason fragte sich oft, was jemand wie er auf der Welt hätte erreichen können, wäre er in einer anderen Zeit und an einem anderen Ort geboren worden. Obwohl er dreißig Jahre seines Lebens für die Arbeit in den Zuckerrohrplantagen opferte, acht bis vierzehn Stunden täglich dort schuftete, verstarb er in Agonie und Armut. Die Menschen krümmten sich in den Ambulanzen, übergaben sich fortwährend und gelangten oft erst im letzten Stadium ins Hospital. Lino Mayorga war mein Freund, sagte Jason. Er starb im Februar 2013 an Komplikationen bei seiner Behandlung. Damit er einer gerechten Zukunft entgegenblicken konnte, riskierte Lino als junger Mann sein Leben im Kampf gegen die brutalen Somoza-Schergen der längsten Diktatur Lateinamerikas. Lino war so etwas wie eine tragende Säule für seine Gemeinde gewesen: Gründervater des Siedlungsgebietes, Coach der Baseball-Ligaspiele des Vereins und Vermittler zwischen seiner Gemeinde und dem Bürgermeister von Chichigualpa. In der Nacht, als er starb, erzählte ihm Maria, seine Lebensgefährtin, vom Leben in der Revolution: Vor 34 Jahren hatten sie dazugelernt, sie waren klug, versteckten sich zum rechten Moment und für ein besseres Leben hatten sie auch den Mumm zurückzuschießen. Die Nationalgarde unter Somoza war fürchterlich, doch diese Nierenkrankheit, die so viele trifft, die Pellas-Gruppe, die Untätigkeit der Regierung, das war viel schlimmer als die Nationalgarde unter den Somozas. Sie tötete hinterrücks mit der Einwilligung der Arbeiter, die das aus freien Stücken taten. Qualvoll und langsam sterben sie daran. Die Pellas gaben den Menschen Brot und Arbeit, und ließen sie gleichzeitig an den Arbeitsbedingungen dahinsiechen. Dieser Zwiespalt hinderte eine gesamte Stadt sich auf die Füße zu stellen und zu kämpfen. They are killing us over our heads. Sie ruinierten die Zukunft ganzer Familien. However, as it stands now, we are nothing but slaves. Die Lebenskraft Rohstoff von Konzernen. Linos Sohn Jimmy war mit 24 Jahren an CKD erkrankt. Er arbeitete wie sein Vater in den Zuckerrohr-Plantagen.

Jason und seine Organisation deckten nicht nur auf, sie dokumentierten und veranlassten zahlreiche Studien zur Ursachenforschung über CKD. Es ging ihnen um Prävention, langfristig. Und um die Interessen der Konzerne, die sich ihrer Anliegen annehmen sollen. 2017 kam es nach über 20 Jahren Engagement dieser NGO zu einer gemeinsamen Initiative zwischen La Isla Foundation, multinationalen Unternehmen und regionalen Firmen. So unterzeichneten Simon Usher, Genderaldirektor des internationalen Konzerns Bonsucero, Ricardo Barrios, Generaldirektor der Nicaragua Sugar Estates Limited, Eigentümer von Ingenio San Antonio, Jason Glaser, Geschäftsführer der NGO La Isla Foundation und Mario Amador, Geschäftsführer des Comité Nacional de Productores de Azucar Nicaragua eine gemeinsame Initiative unter dem Titel Iniciativa Adelante – Memorandum of understanding. Zentral ging es bei dieser gemeinsamen internationalen Initiative um Prävention, Schulung und Aufklärung der Arbeiter und Miteinbeziehung der Ergebnisse der Studien in den Ablauf der Arbeitstage eines Zuckerrohrplantagenarbeiters. Es war dies eine erste gemeinsame Annäherung auf nationaler wie globaler Ebene für das Schicksal dieser Arbeiter Verantwortung zu tragen.

Sweet and bitter

Isla Foundation war mit Hilfe der Touristen groß geworden, die Sprachkurse absolvierten und das Haus als Herberge nutzten. Es gab einen Brunnen im schattigen Innenhof, ich erinnere mich an das Lichtspiel des Wassers und den Schattenwurf von Blättern, dazwischen grelles Farbleuchten. Hängematten, ein geräuschloses Schwingen in der Hitze in verschwörerischer, vereinzelter Stille in einem mittelamerikanischen Land. Ich erinnere mich vor allem an die Leere, die die Leute hinterließen, von dem, was sie verschwiegen. Ich will nicht sagen, dass sie keine Worte für das Ungesagte hatten. Es gab nur keinen gesellschaftlichen Spielraum. Dass dieser unbesprochene Raum nicht der Platz für noch mehr Spielarten von Autokratie und Diktatur wird, hier nicht, wie dort nicht, das trieb mich an, das trieb mich um. Was blieb fast vier Jahrzehnte nach der Revolution, der ersten gelungenen Revolution des Lumpenproletariats, wie Leo Gabriel sie bezeichnete? Where is the revolution today? How does it reflect what people dreamed about one day? Das Recht auf Unversehrtheit – das Menschenrecht eines jeden Arbeiters in seiner gelebten und sicheren Form – ein Stück Weg.

Anmerkung

Zu Anfang seiner Konsumgeschichte in Europa wurde Zucker zur Versüßung bitterer Medizinpräparate verwendet. Er kam auch in der arabischen Medizin zur Verwendung und war deshalb ausschließlich in Apotheken erhältlich. Zunächst wurde Zucker als Heilmittel gehandhabt und war, als Gewürz klassifiziert, vorwiegend den Reichen zugänglich. Anbau von Zuckerrohr und Importe nach Europa folgten im Zuge der Eroberung Lateinamerikas. Die ältesten Zeugnisse berichten vom Anbau von Zuckerrohr bereits 6000 v. Chr. Nach Europa gelangte Zucker schon nach der Wende zum 11. Jahrhundert. Durch den Import von Tee, Kakao, Kaffee stieg der Zuckerbedarf kontinuierlich an, während die Zuckerpreise fielen und er auch für mittlere Schichten der Gesellschaft zugänglich wurde. Zucker verlor so allmählich seinen exklusiven Symbolcharakter und seinen hohen Status. Mitte des 19. Jahrhunderts konnte erstmals eindeutig bewiesen werden, dass Zucker sich in Kohlenhydrate umwandelte. So galt Zucker lange als Nährstoff und Energielieferant. Aufgrund des niedrigen Preises wurde er fortan für die ärmeren Schichten als Nahrungsmittel eingesetzt. Heute hat sich die Sichtweise auf Zucker geändert: (Mit-)Verantwortlich für Übergewicht und etwaige zivilisatorische Krankheitsbilder wird dem Zucker auch vorgeworfen, früh Strukturen der Suchtentwicklung zu legen.