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Eine Farm für die Ugander

Mithilfe einer kleinen gemeinnützigen Gesellschaft im Emsland ist in Uganda eine Farm aufgebaut worden, die sich in zwei Jahren selbst tragen soll. Auf den Feldern gedeihen Mais, Bananen und Süßkartoffeln. Auch 1000 Legehennen tragen zum Einkommen bei.

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© Birgit Waterloh

Auf dem Markt in Hoima herrscht lebhafter Trubel. Inmitten der bunten Vielfalt an Süßkartoffeln, Bananen und Ananas werden auf 30er-Paletten auch braune Eier zum Verkauf angeboten. Diese stammen von der „Butema Organic Farm“, die etwa 25 km entfernt liegt und sich damit gut drei Stunden Autofahrt nordwestlich der Hauptstadt Kampala befindet. Farmleiter Aloysius Mugisa hat mithilfe des „Services für Entwicklungszusammenarbeit“ (Sezu) in den vergangenen Jahren 40  ha Land erwerben können. Mit 1800 €/ha sind die Preise dafür inzwischen stark angestiegen. Sieben Festangestellte finden dauerhaft auf der Farm Arbeit, in der Ernte kommen viele weitere Tagelöhner hinzu. Landwirt Bernd Brand aus Dersum und Fritz Schulz, der in Papenburg eine Gärtnerei betreibt, haben sich Ende Februar auf der Farm umgesehen und mit dem Farmleiter Verbesserungspotenzial ausgelotet.

Wasser für 32 Familien

Für die Feldbestellung steht auf der Farm ein Traktor mit Pflug zur Verfügung; die mehr als 2000 Pflanzlöcher für die Bananenplantage wurden jedoch alle von Hand ausgehoben. Auch gepflanzt wird bislang in Handarbeit. Geplant ist, eine Scheibenegge mit Krümelwalze anzuschaffen und damit eine maschinelle Einsaat zu ermöglichen. Auf dem Acker wachsen Mais, Süßkartoffeln, Tabak und in der Nähe des Wasserlaufes sogar Weißkohl. Die Bananen sollen zukünftig mit Vanille untergepflanzt werden. Das Land ist fruchtbar, nur das Wasser ist knapp. Deshalb wurde bereits ein Brunnen gebohrt. Mit dem sauberen Trinkwasser können sich nun auch die 32 Familien des Dorfes versorgen. Für die Bewässerung der Äcker soll in Kürze eine mit Photovoltaik betriebene Pumpe das Wasser aus dem Wasserlauf auf die Farm befördern. Von dort können die abschüssigen Felder mit Schwerkraft bewässert werden. Bislang erfolgt auch dieses überwiegend von Hand.

Eier erzielen gute Erlöse

Ein großer Teil des Einkommens der Farm wird derzeit durch den Verkauf der Eier erzielt. Diese werden für umgerechnet 7,2 Cent pro Stück verkauft. Die Erzeugungskosten betragen laut Mugisa gut 40 % davon. Die Legehennen sind kommerziell übliche Braunleger, die als Eintagsküken aus Kenia geliefert wurden. Ihre Ration besteht aus einem Proteinergänzer, Mais und Calcium. Der mit 20 % eingesetzte Ergänzer wird aus den Niederlanden importiert. Aufgrund der Corona-Krise haben sich die Kosten dafür nicht nur erhöht, zudem muss die Ware nun selbst aus der Hauptstadt abgeholt werden. Um die Proteinversorgung mehr auf eigene Beine zu stellen, haben Studenten der Universität Hannover im Herbst vergangenen Jahres in einem separaten Gebäude eine Zucht der Schwarzen Soldatenfliege etabliert. Das Mehl der getrockneten Larven enthält etwa 40 bis 42 % Rohprotein. Die Produktionskosten dafür betragen rund 60 % der Kosten des Proteinkonzentrates. Noch muss das Prozedere jedoch optimiert werden, die erzeugten Mengen reichen derzeit nur als Beigabe. Auf der Fläche neben dem Legehennenstall sind Orangenbäume gepflanzt worden. Sobald diese eine ausreichende Größe erreicht haben, sollen die Legehennen dieses Areal als Auslauf nutzen können.

Ein Hofladen in der Stadt

Beim Besuch der Emsländer sind die Legehennen 34 Wochen alt, die Legeleistung beträgt 91  %. Aufgrund der guten Ergebnisse entsteht auf der Farm bereits ein zweiter Legehennenstall. Nach dem
Errichten des Holzgerüstes aus Eukalyptus verbauen die Farmmitarbeiter wie bei allen Gebäuden Tonziegel aus eigener Herstellung. Wenn der geplante Hofladen in einem Wohngebiet Hoimas fertiggestellt ist, will Mugisa, der mit seiner Familie nebenan wohnt, die Eier dort verkaufen. Zusätzlich zu den Früchten der Farm will er dort auch lebende Althennen anbieten. Wert gelegt wird auf der Farm zudem auf den Erhalt einheimischer und bedrohter Baumarten. Entlang der Grundstücksgrenzen wurde im vergangenen Jahr damit begonnen, Mahagoni zu pflanzen. Ausgebaut werden soll auch die Lagerhaltung, um mit einem späteren Verkauf bessere Erlöse zu erzielen. Aktuell lagert der Mais der letzten Ernte in einem sich ebenfalls noch im Bau befindlichen Gebäude. Dieses wird mit einem Seminarraum sowie dem Büro für Mugisa ausgestattet. Zudem hält es Unterkünfte für die Mitarbeiter bereit. Heinrich Hövelmann, der die Sezu ins Leben gerufen hat, legt großen Wert auf die soziale Komponente der Farm. So ist es ihm wichtig, den Einheimischen zu zeigen, dass man von der Arbeit in der Landwirtschaft leben kann. Der Hintergrund: „Landwirtschaft ist in Uganda vielfach noch verpönt, weil die Menschen damit häufig kein ausreichendes Einkommen erzielen“, erläutert Mugisa. Deshalb suchen viele ihr Glück oftmals in der Stadt, Mugisa zufolge jedoch meist erfolglos.

Erste Hilfe vor Ort leisten

Hövelmann will zudem einen medizinischen Behandlungsraum einrichten. Für die Ausbildung eines Ersthelfers hofft er auf die Unterstützung durch das Deutsche Rote Kreuz. Damit soll eine Grundversorgung vor Ort gewährleistet werden, denn die Fahrt nach Hoima dauert. Sie führt zum großen Teil über unbefestigte Feldwege. Wenn der Kauf weiterer 20 ha vollzogen ist, soll sich die Farm selbst tragen können. Dann könnte sie zu einem Aushängeschild werden. Hövelmann jedenfalls schwebt vor, die dort vorhandenen Kenntnisse im Rahmen eines Kompetenzzentrums für die Entwicklung ländlicher Räume vielen Einwohnern Ugandas zugänglich zu machen.

Der Initiator

Gründer des „Service für Entwicklungszusammenarbeit gUG“ ist Heinrich Hövelmann. Der 80-jährige Papenburger war mehr als 40 Jahre Mitglied des Kreistages im Emsland und ist Ehrenbürgermeister seiner Heimatstadt. Seit 28 Jahren engagiert sich der ehemalige Schlosser und Lehrer in der Entwicklungshilfe. Die Initialzündung dafür gab der damalige Bischof von Hoima. Er wandte sich hilfesuchend an Hövelmann. Dieser wirbt in der Region hartnäckig Spenden ein, Unternehmen unterstützen auch mit Material.

Empfehlungen für Praktiker*innen

Unter dem Motto "Arbeit ist die beste Sozialpolitik" kann den Bewohnern Ugandas aufgezeigt werden, dass sie ihren Lebensunterhalt dauerhaft von der Arbeit in der Landwirtschaft bestreiten können. Voraussetzung ist nachhaltiges Wirtschafte und das Denken in Generationen. Die Abhängigkeit von Projekten und Fördermitteln, die nur auf wenige Jahre ausgelegt sind, helfen nur vorübergehend.

Dieser Artikel steht unter folgender CC Lizenz: BY-NC