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Projektvorstellung

Food Film Festival

Das Food Film Festival beschäftigt sich mit der Gestaltung eines nachhaltigen und zukunftsfähigen Ernährungssystem, der persönlichen Ernährungsweise und den verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette und ihrer Akteur*innen.

Projekt
Ernährungsbildung
Übergreifend
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© Food Film Festival gUG

Wer, was und wann

Das Food Film Festival (rechtlich getragen von der Food Film Festival gUG) fand 2018 zum dritten Mal in Münster statt. Die Hauptorganisation wurde von 4 ehrenamtlich arbeitenden Studentinnen übernommen, auf die Beine gestellt wurde das Projekt mit Hilfe von insgesamt ca. 100 ehrenamtlich Helfenden und Partner*innen aus dem Münsterland. Wir fühlen uns der Slow Food Philosophie “gut, sauber, fair” sehr verbunden, aus diesem Grund haben wir die Slow Food Youth Münster Gruppe auch maßgeblich in die Planung involviert, als auch weitere helfende Hände aus dem Netzwerk akquiriert.

Hintergrund und Ziele

Auf dem Food Film Festival wird den Besucher*innen die Möglichkeit gegeben einen umfassenden Einblick in die Themen Ernährung, Lebensmittelproduktion und Lebensmittelhandwerk zu bekommen. Das Thema im Jahr 2018 war: "Was gibt dir Kraft?" und fokussierte sich auf Kraftquellen, im Sinne einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Ernährung. Ein Fokus lag auf dem Bereich der Proteine, eine beispielhaft Fragestellung ist: Welche alternativen Proteinquellen gibt es, abgesehen von Fleisch (besonders statt Fleisch aus Massentierhaltung)?

So zeichneten wir das Bild einer klimafreundlichen, gesunden, kreativen und leckeren Ernährung. Darüber hinaus war auch Soul Food ein Thema, also ganz persönliche Kraftquellen der Teilnehmer*innen. Auch die Erfahrung des gemeinsamen Kochens als kraftgebende Aktivität war ein Teil des Programms. Neben den Kraftquellen wurden auch Problemstellen des aktuellen Konsumverhaltens und Lebensmittelsystems kritisch beleuchtet, Handlungsalternativen vor Ort praktisch umgesetzt und Anregungen für den Alltag an die Hand gegeben. Das Hauptanliegen war es, kritische Denkansätze und Alternativen zu vermitteln und so ein Umdenken im persönlichen Konsumverhalten anzuregen. Dafür wurden Möglichkeiten eines nachhaltigen und zukunftsfähigen Ernährungssystems präsentiert. Für eine leichtere Zugänglichkeit war der lockere, positive Rahmen sehr wichtig, denn unser Motto ist: "Wir machen Bildung in Festivalatmosphäre!".

Das Rahmenprogramm setzte sich aus den drei Teilen des Titels zusammen:

1. Food - Neben diversen Food Trucks, die größtenteils regional aus dem Münsterland kamen, gab es ein vielfältiges Angebot zur genussvollen Verpflegung der Besuchenden. Die Stärkung regionaler Lebensmittelproduzent*innen war dabei ein zentrales Anliegen. So wurden bevorzugt kleine Produzent*innen und Bäuer*innen angefragt, ihre Produkte anzubieten. Darüber hinaus hatten die Teilnehmenden des Festivals auch die Möglichkeit beim Kochen aktiv zu werden. Die Auftaktveranstaltung (Big Cooking) brachte Köch*innen und Kochbgeisterte zusammen. Unter professioneller Anleitung wurde in Kleingruppen ein Festmahl, bestehend aus 10 verschiedenen Gerichten gezaubert. Die Teilnehmenden konnten so aus erster Hand Tipps und Tricks rund ums Kochen erhalten und das gelernte direkt praktisch umsetzen. Die Themen der einzelnen Gerichte könnten unterschiedlicher nicht sein, so beschäftigte sich eine Kochstation mit Insekten als Proteinquelle, eine andere widmete sich dem Thema Wurzelgemüse. Darüber hinaus gab es ein breites Angebot an Workshops, in denen, angelehnt an das Thema des Festivals, beispielsweise Proteinbomben aus Insekten hergestellt wurden, die Technik des achtsamen Essens behandelt oder Pestos aus verschiedenen Wildkräutern gemacht wurden.

2. Film - Auf visueller Ebene gaben uns Filme eine gute Möglichkeit komplexe Sachverhalte ansprechend zu vermitteln. Die behandelten Themen umfassten dabei beispielsweise regionale Sterneküche („Noma - das beste Restaurant der Welt“; Pierre Deschamps), als auch ein Film über die Entwicklung eines Projekts in Bamberg bei dem die Bewohner*innen ihr eigenes Gemüse in der Stadt anbauen („Ernten was man sät“; Christian Beyer).

3. Festival - Uns als Organisatorinnen war es wichtig, dass die kritischen Themen, die wir behandeln und auch die Kritik, die wir gegenüber dem aktuellen Ernährungssystem und Lebensmittelkonsumverhalten darlegen, nicht wie eine Belehrung mit erhobenem Zeigefinger ankommt. Ebendiese Inhalte sollen in einem positiven Rahmen vermittelt werden, sodass die Besucher*innen Lust bekommen, den Input auch privat umzusetzen oder mit Freund*innen darüber zu reden, um das Bewusstsein immer weiter in die Gesellschaft zu tragen. Deswegen waren einige Elemente des Rahmenprogramms Bands, Improtheater, sowie eine Aftershowparty. So konnten wir unserem Motto der Festivalatmosphäre mit einem bunten und vielfältigen Rahmenprogramm gerecht werden.

Alle drei Teile des Konzepts sind miteinander verknüpft und bauen aufeinander auf. Beispielsweise folgte auf das Interview mit dem Münsteraner Kaffeeröster Sven Hasenclever der Film „A film about Coffee“ (Brandon Loper) und ein Workshop mit Kaffeetasting folgte anschließend. Die Teilnehmer*innen bekamen so die Möglichkeit sich auf verschiedenen Ebenen Input zum Thema zu holen. Diese vielfältigen Zugänge oder Angebote war uns besonders wichtig, da Ernährung ein vielschichtiges und interdisziplinäres Thema darstellt und so die Komplexität der Themen für unterschiedlichste Zielgruppen zugänglich wurde.

Miteinander Lernen

Was waren die größten Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Projektes und wie seid Ihr damit umgegangen?

Bereits nach Beginn der Planung des Festivals wurden wir vor die Herausforderung gestellt, dass Slow Food Deutschland nicht mehr die finanzielle Absicherung des Festivals übernehmen wollte, da der finanzielle Rahmen ein zu großes Risiko für den Verein darstellte. An dem Punkt mussten wir vier Hauptorganisatorinnen entscheiden, ob wir nun aufhören oder eine eigene Rechtsform gründen, die das Projekt absichert. Wir haben uns entschieden eine gemeinnützige Unternehmensgesellschaft, die Food Film Festival gUG, zu gründen, Da wir schon mitten in der Organisation steckten, und die Gründung einer Firma durchaus zeitintensiv ist, war dies eine große Hürde. Auch die Entscheidung so ein großes Projekt komplett eigenverantwortlich auf die Beine zu stellen, musste gut durchdacht werden.

Eine weitere große Herausforderung war, dass aus der ehrenamtlichen Idee ein Projekt zu starten ein ehrenamtlicher Vollzeitjob entstanden ist. Neben der Bewältigung der Organisation, waren wir gleichzeitig Student*innen und gingen jeweils noch einem Lohnerwerbsjob nach. Hier half uns die Zusammenarbeit als Freund*innen. Wir waren uns der Stärken und Schwächen der jeweils anderen Person immer bewusst und konnten so individuell aufeinander eingehen und uns bestärken. Jedoch war diese „Nähe“ teilweise auch schwierig, da eine Trennung zwischen Beruf- und Privatleben nur gering gegeben war. Vor allem in der Reflektion des Festivals haben wir diesen Punkt bearbeitet und Strategien für die weitere Zusammenarbeit entwickelt.

Welche Unterstützung ist für das Gelingen des Projektes unerlässlich (gewesen)?

Auch wenn die Kombination von Freundschaft und Beruf durchaus schwierig war, war doch genau dieser Umstand ein großes Motivationsfaktor für uns alle. Dadurch, dass wir uns auch gut kannten, konnten wir auf Probleme in der Zusammenarbeit viel persönlicher eingehen und eine sehr respektvolle und konstruktive Kommunikation pflegen. Darüber hinaus wurden wir sowohl regional durch die FH Münster und die Stadt Münster, sowie durch die Allianz für Wissenschaft unterstützt. Auch die Hilfe, sowohl in der Umsetzung als auch in der Planung, des Slow Food Youth Netzwerkes war eine große Unterstützung.

Was würdet Ihr / würdest Du anders machen, wenn Ihr / Du noch einmal von vorne anfangen würde(s)t?

Wir vier Hauptorganisatorinnen hatten jeweils einen Themenbereich, den wir eigenständig behandelten. Beim nächsten Mal würden wir dies grundsätzlich nochmal so machen, jedoch von Anfang an eine unterstützende Person mit involvieren, damit der Arbeitsaufwand pro Person geringer ist. Die Regenrationszeit nach dem Festival würde so geringer ausfallen. Außerdem wollen wir in zukünftigen Projekten noch mehr die bereits vorhandene Expertise aus unserem Netzwerk und auch von Akteur*innen außerhalb nutzen. Gemeinsam mit dem Wissen, welches wir uns während der Organisation angeeignet haben, können wir so lernen noch professioneller zu arbeiten.

Wie könnten Forschende Euer Vorhaben unterstützen? Welche Fragen sind bisher unbeantwortet geblieben?

Fragen, zu denen wir uns Input wünschen behandeln sind zum einen die Transformation eines Ehrenamts in ein bezahltes Hauptamt: „Wie mache ich mein Ehrenamt erfolgreich zum Beruf ohne mich selbst auszubeuten?“

Darüber hinaus freuen wir uns über Tipps und Tricks zur Steigerung der Wirkung unserer Veranstaltung. Wie kommunizieren wir effektiv und effizient, um die richtigen Leute mit den richtigen Inhalten zu erreichen. Wie funktioniert Verhaltensänderung und wie lässt sich diese auf einer/durch eine Großveranstaltung erreichen? Wie kann die „mind-behaviour-gap“ überwunden werden?

Austausch und Unterstützung

Wir sind immer froh über Austausch, Erfahrungswerte anderer Projekte und auch Unterstützung, ob nun mit Informationen oder durch eine Zusammenarbeit. Perspektivisch wollen wir mit der Food Film Festival gUG weitere Projekte auf die Beine stellen und denken, dass die Kombination und die Zusammenarbeit mit anderen Initiativen bereichernd und lehrreich wäre.

Kontakt

Name der Ansprechperson: Rosa Diekmann

Organisation: Food Film Festival gUG

Website: www.food-filmfestival.de

Adresse: Wolbecker Str. 36

E-mail: info@food-filmfestival.de

 

Diese Projektvorstellung steht unter folgender CC Lizenz: BY-NC-SA