Logo
Artikel

Zukunftstrend "Alternative Food"

Disruption und Transformation globaler "Food Systems". Unter dem Stichwort "Alternative Food" sowie - etwas weiter gefasst - "Alternative Food Systems" werden weltweit zahlreiche Initiativen, Forschungsprojekte und Praxisprojekte subsumiert, die für eine Klimabilanz in Hinblick auf die Ernährung liefern werden. Massive Abkehr von tierischem Protein und neue Wege einer nachhaltigen Landwirtschaft stehen dabei im Vordergrund.

Artikel
Wirtschaftswissenschaften
Klimawandel/-schutz
Übergreifend
Aussaat

CC0 von gamagapix auf pixabay.com, Auswahl der Redaktion

Executive Summary

  • Das Bevölkerungswachstum, der Ressourcenverbrauch und der Klimawandel sind als relevante Treiber in der Agrar- und Lebensmitteldiskussion von wesentlicher Bedeutung.
  • Die Weltbevölkerung wird bis zum Jahr 2050 auf rund 9 Milliarden Menschen anwachsen. Die wachsende Weltbevölkerung ausreichend zu ernähren, ist eine große Herausforderung für die Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion.
  • Gleichzeitig tragen die Verknappung von Ressourcen sowie notwendige Klimaschutz-Maßnahmen zu enormen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen bei.
  • Somit muss der ökonomischen Relevanz von Umweltschutz, dem Klimawandel und gesellschaftlicher Verantwortung eine deutlich höhere Priorität zugeordnet werden.
  • Die Herausforderungen können nur durch eine immer effizientere und nachhaltigere Landwirtschaft gelöst werden, die innovative und technologische Möglichkeiten zur Ertragssteigerung nutzt und ressourcenschonend agiert.
  • Hieraus ergibt sich ein systemisches Veränderungspotential der Ernährungs- und Agrarsysteme (gesamthaft: „Food Systems“) , welches substantielle Rückkopplungseffekte auf Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik auslöst.
  • Schlüsselakteure der Transition sind neben den Konsumenten und der Lebensmittelindustrie vor allem die Politik, die durch Subventionsmaßnahmen und Regulierung sowohl maßgeblichen Einfluss auf Produktionsmethoden, Rahmenbedingungen der Wertschöpfung als auch Anlagerestriktionen und -präferenzen von Investoren hat.
  • In Europa wird die aktuelle Farm-to-Fork Initiative der EU den Transformationsprozess maßgeblich beschleunigen und eine nachhaltigere und ökologischere Landwirtschaft fördern.
  • Investoren kommt in diesem Transformationsprozess eine besonders wichtige Rolle zu, da sie durch zahlreiche internationale und nationale Regulierungsinitiativen angeleitet werden, Nachhaltigkeitskriterien in ihre Anlagestrategie zu integrieren. Darunter zählen globale Initiativen wie das Pariser Klimaabkommen, die SDG der UN sowie zahlreiche Regulierungsänderungen der Sustainable Finance Programme, die Finanzströme zukünftig stärker in nachhaltige Geschäftsmodelle und Unternehmen lenken.
  • Gleichzeitig eröffnen die „Alternative Food Systems“ interessante Anlageopportunitäten im Public und auch Private Markets Bereich, deren Erfolg und Wachstum durch die Finanzierung und gezielte Ausrichtung der Kapitalströme bestimmt wird.
  • Grundlegende Prozesse und Strukturen müssen demnach neu gedacht und konkret verändert werden.

 

In der vorliegenden Studie werden die Wirkungsfelder und Schlüsselparameter der technologischen Innovationen, des gesellschaftlichen Wertewandels und der ökonomischen Megatrends aufgezeigt, die schrittweise zu einem „Alternative Food System“ führen.

Zentrale Entwicklungslinien befinden sich dabei entlang der gesamten Wertschöpfungskette:

  • Hightech Innovationen: Robotik, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung erlauben eine deutliche Erhöhung der Wirtschaftlichkeit und treiben die Veränderung in Richtung einer alternativen Nahrungsmittelproduktion voran.
  • Die Modernisierung der Landwirtschaft und der Einsatz digitaler Technologien haben neue Konzepte wie „Smart Farming“, „Precision Farming“ und „Digital Farming“ entstehen lassen. Eine richtungsweisende technologische Entwicklung ist dabei auch das sogenannte Indoor Vertical Farming, welches eine hocheffiziente Pflanzenproduktion vor Ort ermöglicht.
  • Obwohl die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation mit einer Zunahme der weltweiten Fleischproduktion auf etwa 455 Millionen t in 2050 rechnet, was relativ zum Jahr 2019 ein Anstieg um 35,74 % bedeuten würde [1], lässt sich ein verändertes Ernährungsverhalten, welches die Fokusthemen Nachhaltigkeit, Gesundheit und Wirtschaftlichkeit vereint, in entwickelten Ländern feststellen.
  • Einhergehend mit den Veränderungen der Wertschöpfungskette, und einem veränderten Ernährungsverhalten werden Produkte auf pflanzlicher Proteinbasis attraktiver. Diese Entwicklung, beschleunigt durch die CoViD19-Krise, breitet sich auf alle Bevölkerungsschichten aus.
  • Aufgrund von nachweislich positiven Rückkopplungseffekten auf Nachhaltigkeit und Gesundheit liegt ein besonderer Fokus auf „Alternative Food“, der Entwicklung von tierischen zu alternativen Proteinen, darunter fallen pflanzenbasierte (Erbsen, Soja, Raps und Hanf) und kultivierte Proteine sowie Algen und Insekten als Proteinquellen, die in unterschiedlichster Ausprägung im Zentrum industrieller Forschung stehen.
  • Kultiviertes Fleisch (“Cultured Meat“) aus dem Labor sowie Hybridfleisch, das pflanzliche und tierische Bestandteile enthält, dienen ebenfalls als Proteinalternativen.
  • Im Vergleich von pflanzlichen mit tierischen Proteinprodukten können dabei Einsparungen von rund 99 % Wasser und 46 % Energie vorgenommen werden, gleichzeitig wird 93 % weniger Land benötigt und der CO₂ Ausstoß kann produktbezogen um 90 % verringert werden (Berechnung basierend auf einem 113 g „alternativen“ Burger Patty) [2].
  • Simulationsrechnungen haben ergeben, dass eine komplette Ernährungsumstellung auf pflanzenbasierte Produkte in Deutschland über 54 Millionen t CO2eq-Emissionen einsparen würde, dies würde eine Reduktion von 40,67 % im Vergleich zur Ausgangssituation bedeuten. Gründe für dieses Szenario können eine heftige Verteuerung der Fleischprodukte aufgrund von höheren Steuersätzen oder das hohe Bepreisen der CO2eq-Emissionen sein.
  • Das Wachstumspotential bspw. für Alternativen zum Konsum tierischer Produkte, „Alternative Meat“, auf dem US-Markt und in Europa wird in den nächsten Jahren massiv sein. Schätzungen zufolge wächst der Markt für Fleisch insgesamt von 1 Bio. USD auf 1,8 Bio. USD in 2040. Aktuelle Studien gehen von einem Marktwachstum für Alternative Food auf einen Umsatz in Höhe von 140 Milliarden USD bis zum Jahr 2029 aus, was einem Anteil von über 10 % am globalen Fleischmarkt entspricht [3]. Laut Prognosen, werden anteilig Cultured Meat 35 % und pflanzenbasierte Alternativen weitere 25 % am Fleischkonsum innehaben. Der konventionelle Anteil der Fleischindustrie wird dabei von 100 % auf 40 % sinken [4].

Das Ziel der Studie ist es, die Gesamtzusammenhänge und Interdependenzen der Food Systems sowie mögliche „Tipping Points“ aufzuzeigen, die die systemischen Veränderungen unumkehrbar machen und eine exponentielle Entwicklung einleiten.

Wichtige Inhalte der Studie wurden ausführlichen Interviews entnommen, die mit hochkarätigen Unternehmern, Investoren und Entscheidern bezüglich der transformatorischen Prozesse der Food Systems geführt werden konnten. Zentrale Aussagen aus den Interviews sind in der Studie wiedergegeben.

Empfehlungen für Praktiker*innen

Abschlussthesen

  1. Ernährung, Gesundheit, Umwelt und Politik stehen in direktem Zusammenhang
  2. Aktuelle Veränderungen im Bereich „Alternative Food“ werden für die traditionelle Lebensmittel-Industrie sowie die gesamte Wertschöpfungskette der Food Systems disruptiv sein.
  3. Innovative Technologien, Alternative Produkte und das Konsumverhalten werden sich exponentiell verändern.
  4. Für Investoren eröffnen sich zukunftsorientierte Investitionsopportunitäten in einem gigantischen Markt. Gleichzeitig gilt es neue Risiken in konventionellen Anlagen mit einzubeziehen.