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Ein gesundes Ritual

Dieser Text handelt von dem ersten Bio-Betrieb im Rheinland, der seit 1979 professionell Obst und Gemüse produziert und bereits in den sechziger Jahren im Nebenerwerb gestartet wurde.

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Pflanzenbau / Saatgut
Konsum
Gemüse

CC0 von Jerzy Górecki auf pixabay.com, Auswahl der Redaktion

Stellen Sie sich vor: Sie schieben keinen Einkaufswagen durch riesige Supermarkthallen, sammeln nicht unzählige, einzeln verpackte Gemüsesorten oder in Plastik eingeschweistes Obst ein und quälen sich weder mit Rad noch im Auto für den Wocheneinkauf durch den Verkehr. Stattdessen informieren Sie sich online: Über die letzten Biotomaten der Saison, das erste frische Sauerkraut und den frühen Wirsing im Herbst und bestellen die Waren bis zwei Tage vor Lieferdatum.

Keine Angst vor Corona, denn der Einkauf wird vom Feld direkt nach Hause gekühlt geliefert an einen vereinbarten Ort, den die Fahrer ohne Kundenkontakt ansteuern. Diesen Service bietet der Biolandhof Hüsgen und das schon seit vielen Jahren. Es handelt sich um den ältesten Bio-Betrieb im Rheinland, der seit 1979 professionell Obst und Gemüse produziert und bereits in den sechziger Jahren im Nebenerwerb gestartet wurde.

"Vor fast 20 Jahren machten wir uns Gedanken, wie wir unser eigenes, frisches Gemüse, unsere Salate, Kräuter und Obst direkt nach der Ernte auf dem schnellsten Weg zu unseren Kunden bringen können und gründeten einen Lieferservice", beschreibt Rita Lemmen-Hüsgen, Gründerin und Geschäftsführerin auf der Webseite des Biobetriebs den Werdegang. Dieses Angebot ist in den vergangenen Jahren stetig optimiert worden, zuletzt mit dem Relaunch der Internetseite www.bioland-huesgen.de. Der Wocheneinkauf wird Dank des Hüsgen-Teams ein gesundes Ritual. Nichtzuletzt weil auch bei der Tourenplanung zu den Abonennten an Rhein und Sieg darauf geachtet wird, dass keine unnötigen Kilometer gefahren werden.

Der Biolandhof hat aber nicht nur das eigene Gemüse im Angebot, welches das fünfköpfige Gärtnerteam gemeinsam mit drei Azubis anbaut. Hüsgen arbeitet mit Bio-Lieferanten aus der Region, Deutschland und dem europäischen Ausland zusammen. Den Kontakt zu den Lieferanten hält Gudrun Eimmermacher. Doch nicht nur Obst und Gemüse sind in der Produktpalette enthalten, auch Brot und Backwaren der DLS Mühlenbäckerei können ausgewählt werden - um deren Einkauf sich Verkaufsleiterin Nicole Wolf persönlich kümmert- sowie Frischeerzeugnisse wie Milch, Eier, Käse und Joghurt.

Wer die Hofkiste bestellt, hat die Möglichkeit online Abos für einzelne Produkte anzulegen. So ist der wöchentliche Warenkorb schon einmal "vorgefüllt" und kann je nach Bedarf der Abonennten für die Wochenlieferung ergänzt und angepasst werden. Die Kundinnen und Kunden müssen nicht jede Woche aufs Neue ihre Einkaufliste eingeben und für den Bio-Lieferanten besteht durch die Produkt-Abos eine gewisse Orientierung, was die Bestellungsmengen betrifft.

Um die Kunden kümmern sich im Verkaufsteam Veronika Schrön, Melanie Bernards, Uta Funk und Petra Baues. Kürzlich ist zudem noch eine weitere Mitarbeiterin dazugestoßen. Wenn ein Artikel - anders als bei der Bestellung angegeben - nicht mehr lieferbar ist, meldet sich eine der Damen bei den Abonennten und bietet Ersatz an. Über diesen Service sind nicht wenige Kundinnen und Kunden im ersten Moment überrascht, gehört er doch in Zeiten outgesourcter Call-Center und Wartleschleifendudelei selten zum Standard heutiger Dienstleister. Hier zeigt sich, der Biolandhof-Hüsgen ist "mehr" als nur ein Bio-Lieferservice. Mit der monatlichen Hofpost erhalten die Kisten-Abonnenten Einblicke hinter die Kulissen: Wie wirken sich der Klimawandel und das Wetter auf die Felder in Hennef-Süchterscheid und Umgebung aus? Welche seltenen oder neuen Pflanzen werden angebaut? Und welche Rezepte haben sich beim Hüsgen-Team bewährt?

Nach der Bestellung ist vor dem Packen: Das Pack-Team wird von Fenna Lenz Wissmann geleitet und ist in den vergangenen Monaten um fünf weitere Mitarbeitende gewachsen. Auch die Biokistler vom Hof Hüsgen mussten ihre Logistik in der Corona-Zeit überarbeiten, vor allem um den Schutz der insgesamt 23 Mitarbeitenden zu gewährleisten. Den Kundinnen und Kunden wird dabei wenig abverlangt: Statt bis zwölf Uhr werden Bestellungen nun bis 9 Uhr zwei Tage vor Lieferung entgegengenommen und es wird um notwendige Distanz zu den Fahrern gebeten, die nicht nur ausliefern, sondern auch das Pfandgut und die Kisten der Vorwoche wieder mitnehmen. Für deren Einsatz auch in der Krise kann man sich mit einem bereitgestellten Trinkgeld erkenntlich zeigen.

Zahlen, Daten und Fakten zum Biolandbetrieb Hüsgen

"Von Aubergine bis Zucchini pflegen und ernten wir ca 50 verschiedene Kulturen auf den Sieghöhen zwischen Merten und Stadt Blankenberg. 9 Hektar Freiland und 2500 Quadratmeter Treibhausfläche bewirtschaften wir nach den Richtlinien des Bioland-Verbandes. Bio heißt bei uns nicht nur Verzicht auf chemisch-synthetische Düngemittel und chemische Pflanzenschutzmittel.
Wir verzichten zusätzlich weitgehend auf Hybridsaatgut, lehnen Gentechnik ab und unterstützen biologisch arbeitende Saatgutfirmen und Initiativen, um robuste und standortangepasste Pflanzen anzubauen. Die Pflege und der Erhalt unseres Bodens, Anreicherung von Humus und ein intaktes Bodenleben ist unser Ziel."

Disclaimer: Die Autorin dieses Artikels bezieht seit Jahren die Hofkiste der Bio-Gärtnerei. Sollte der Text prämiert werden, so geht das gesamte Preisgeld an den Biolandhof Hüsgen.