Tierschutz der Supermärkte

Für den Lebensmitteleinzelhandel gelten längst nicht mehr allein die Preise als wichtigstes Aushängeschild. Nachhaltigkeit und verwandte Themen sind für die Außendarstellung der Unternehmen zunehmend relevant. So hat auch der Tierschutz für die Einkaufspolitik der Supermarktketten an Bedeutung gewonnen. Viele machen ihre Tierschutz-Einkaufsrichtlinien oder vergleichbare Dokumente inzwischen öffentlich.

Erstellt am

18.07.2018

Auszug aus dem Einkaufsrichtlinien-Vergleich der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

Von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

Diese Einkaufsrichtlinien legen beispielsweise in sogenannten Negativlisten fest, welche Waren aus Tierschutzgründen gar nicht mehr ins Sortiment kommen. Die Anforderungen der Einzelhändler an ihre Zulieferer oder deren Produkte sind ebenfalls Teil dieser Selbstverpflichtungen. Nachdem Aldi Süd Anfang 2015 die erste umfassende Tierschutz-Richtlinie veröffentlicht hatte, haben die meisten großen Einzelhandelsketten nachgezogen.

Wir haben die veröffentlichten Tierschutzstandards der deutschen Supermarktketten verglichen und teils erhebliche Unterschiede festgestellt. Bei der Analyse haben wir uns auf besonders wichtige Themen konzentriert. Dazu gehören etwa betäubungslos durchgeführte Amputationen, der Antibiotikaverbrauch sowie Verbesserungsmaßnahmen bei einzelnen Tierarten.

Licht und (noch viel) Schatten

Aus unseren Ergebnissen geht hervor, dass die Unternehmen den Verzicht auf Eier aus Käfighaltung von Legehennen fast durchweg umgesetzt haben; das gilt für Schaleneier sowie für verarbeitete Eier in den Eigenmarken. Bei der Haltung anderer Tiere wie Kaninchen, Wachteln und Muttersauen verzichtet hingegen bislang keine der Ketten vollständig auf Käfige.

Zwischen den Unternehmen gibt es große Unterschiede, welche Tierschutzthemen ihre Einkaufsrichtlinien überhaupt erwähnen. Manche Aspekte finden jedoch durchgängig keine oder fast keine Erwähnung. Hierzu zählen Verbesserungen in der Haltung von Hühnern und Gänsen, die Schlachtung schwangerer Kühe sowie Tierschutzkriterien bei Fischen und Schalentieren.

Tierschutzstandards nicht immer öffentlich

Die umfangreichsten Einkaufsrichtlinien haben Aldi Nord und Aldi Süd, Kaufland, Lidl und Real: Sie enthalten ausführliche Negativlisten sowie Maßnahmen zu verschiedenen Tierschutzthemen, die eingeführt oder bereits umgesetzt wurden. Was Verbesserungen für Schweine, Milchkühe, Enten und Puten betrifft, zeigen sich zwischen diesen Supermarktketten mitunter klare Unterschiede.

Bei Edeka, Netto Markendiscount und Rewe gibt es teils recht umfassende interne Regelungen; diese haben die Unternehmen bislang jedoch nicht veröffentlicht. Daher sind sie nicht in unsere Tabelle eingeflossen. Wir gehen aber davon aus, dass hier umfangreiche Veröffentlichungen in absehbarer Zeit folgen. Ebenfalls können Bela, Globus und Norma derzeit kaum Veröffentlichungen zu wichtigen Tierschutzthemen vorweisen.

Unser Fazit: Ein Anfang ist gemacht

Noch vor wenigen Jahren gab es kaum öffentlich zugängliche Positionen der Lebensmitteleinzelhändler zu Tierschutzfragen bei ihrer Einkaufspolitik. Daher ist es allein schon begrüßenswert, dass viele Unternehmen sich mittlerweile hier in die Karten schauen lassen. Diese Entwicklung trägt zu einem positiven Wettbewerb untereinander und zur Transparenz für die Kundschaft bei.

Unser Vergleich zeigt darüber hinaus, dass einige der Großen im Lebensmitteleinzelhandel auf dem Weg sind, Verbesserungen im Tierschutz bei ihren Zulieferern durchzusetzen. Dennoch liegen noch zahlreiche Aufgaben für die nächsten Jahre vor dem Lebensmitteleinzelhandel: Noch fehlt es an Konzepten, um etwa die Amputationen der Schnabelspitzen bei Vögeln oder der Ringelschwänze bei Schweinen zu beenden. Weiterhin mangelt es insgesamt an deutlichen Verbesserungen für Schweine, Masthühner und Puten, die über die bislang unzureichenden Kriterien der »Initiative Tierwohl« des Lebensmitteleinzelhandels hinausgehen.

Mit dem Einzelhandel bleiben wir im Dialog zu Tierschutzthemen und zum Ausbau seines pflanzlichen Angebots. In zwei Jahren wollen wir die Einkaufsrichtlinien zum Tierschutz erneut vergleichen.

Einkaufsrichtlinien-Vergleich zum Download

Einkaufsrichtlinien-Vergleich Supermärkte und Discounter

Einkaufsrichtlinien-Vergleich Textfassung mit genauen Angaben

 

Dieser Artikel ist zuerst hier erschienen:

Tierschutz der Supermärkte. (2017). Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt. URL: albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/einkaufsrichtlinien-vergleich-2017

Die Links zum Download der Vergleichs-Tabellen wurden hier ans Ende des Artikels gestellt. Im Original befinden sie sich an einer anderen Textstelle.

Dieser Artikel steht unter folgender CC Lizenz: BY.

 

Sehens- und Lesenswertes zum Thema

https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuelles/veroeffentlichungen/tierschutz-supermarktketten

 

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