Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau

Biogemüse ist nicht immer vegan. Häufig wird es mit Schlachtabfällen gedüngt. Eine Alternative dazu ist der biozyklisch-vegane Anbau: eine ökologische, kreislaufbasierte Landbewirtschaftung, die ohne tierische Düngemittel sowie die Haltung und Tötung von Nutztieren auskommt.

Erstellt am

06.09.2018

Aktualisiert am 28.01.2019

Humuserde, © Biozyklisch-Veganer Anbau e.V.

Wer, was und wann

Der Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau gründete sich im Jahr 2018 und hat die Förderung rein veganen Ökolandbaus zum Ziel. Mitwirkende sind Privatpersonen, Biofirmen, Biobetriebe sowie gemeinnützige Organisationen aus Tierschutz und Naturschutz.

Hintergrund und Ziele

Im Ökolandbau ist die Tierhaltung und die Verwendung tierischer Exkremente zur Düngung Gang und Gäbe. Mehr und mehr Menschen verzichten jedoch aus ethischen Gründen auf Lebensmittel tierischen Ursprungs und beklagen die wirtschaftliche Tierhaltung. Etwa ein Viertel der deutschen Biobetriebe wirtschaften viehlos, halten also selbst keine Nutztiere. Zur Düngung der Kulturen kaufen sie jedoch häufig Mist, Gülle etc. zu oder verwenden organische Handelsdünger tierischer Herkunft. Diese Pelletdünger bestehen aus Horn-, Haar-, Feder-, oder Blutmehl und sind schlicht die Abfälle aus den konventionellen Schlachthöfen dieser Welt. Oft enthalten sie Antibiotikarückstände, kommen aber im ökologischen Gemüsebau trotzdem häufig zum Einsatz. Wer sich vegan ernährt, hält davon vermutlich wenig.

Über eine neue Form der Landbewirtschaftung informiert der Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau. Biozyklisch-vegan, das meint eine Form des ökologischen Landbaus, in welchem Nährstoffkreisläufe anders geschlossen werden: statt Gülle, Jauche oder Hornmehl kommen hier pflanzliche, lang gelagerte Komposte bis hin zu Humuserde, Gründüngung und Mulchen sowie andere Techniken der rein pflanzlichen Düngung zum Einsatz. Die wirtschaftliche Tierhaltung sowie die Verwendung von Betriebsmitteln tierischer Herkunft ist nicht erlaubt. Vegan ab Feld sozusagen. Zudem wird großer Wert auf die Förderung der Artenvielfalt und einen eher vorbeugenden Pflanzenschutz durch Blühstreifen, Pufferzonen und Nützlingshabitate gelegt. Mischkulturen und weite Fruchtfolgen sorgen für ein stabiles Gleichgewicht und eine Erhaltung bzw. Wiederherstellung natürlicher Kreisläufe. Ein wichtiges Ziel biozyklisch-veganer Bewirtschaftung ist außerdem der Bodenschutz und die Sicherstellung einer langfristigen Bodenfruchtbarkeit durch den Aufbau von Dauerhumus. Biozyklisch-veganer Anbau ist also nicht nur ökologisch sinnvoll, es beugt zudem dem voranschreitenden Klimawandel vor, indem Kohlenstoff stabil in der Humuserde gebunden wird.

Seit letztem Jahr können Verbraucher*innen leichter erkennen, ob das Gemüse, das sie kaufen, vegan angebaut wurde, oder nicht. Das Siegel „biozyklisch-veganer Anbau“ garantiert, dass der Erzeugerbetrieb nach den „Biozyklisch-Veganen Richtlinien“ gewirtschaftet und sich einem Audit durch eine anerkannte Bio-Kontrollstelle unterzogen hat. Dies ist seit der Aufnahme der Anbaurichtlinien in die IFOAM Family OF Standards Ökobetrieben weltweit möglich.

Betriebe, die biozyklisch-vegan produzieren, gibt es in Deutschland bisher zwei, in Griechenland sind es schon über 60 kleinbäuerliche Familienbetriebe. Aufgabe des o.g. Vereins ist es auch, die an einer Umstellung interessierten oder bereits biozyklisch-vegan wirtschaftenden Betriebe zu beraten und den biozyklischen Betriebsindex vor Ort aufzunehmen, bevor dann die Biokontrollstelle die eigentliche Kontrolle durchführt. Gespräche mit dem Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und die Aufklärung und Sensibilisierung von Verbraucher*innen über das neue Siegel gehören ebenso zum Aufgabenbereich des Förderkreises.

Ihr Ziel, die Biozyklisch-Veganen Prinzipien in alle Bereiche der Land- und Ernährungswirtschaft zu bringen, setzt die Organisation unter anderem über Flyer, Vorträge, Stände auf veganen Straßenfesten und landwirtsch. Messen, eine umfangreiche Sammlung von wissenschaftlichen Artikeln auf der Homepage sowie eine Facebookseite um. Wer mag kann zudem vierteljährlich über einen Newsletter informiert werden. Auch einen Bezugsquellen-Newsletter gibt es, dieser benachrichtigt Konsument*innen, wenn biozyklisch-vegane Produkte ins Sortiment des LEH aufgenommen werden.

Bodenaufbau beim Biohof Hund - Biozyklisch-Veganer Anbau, Link führt zu youtube.com

Austausch und Unterstützung

Unterstütze unsere Arbeit! Mitglied werden kann jede*r. Die Mitglieder des Förderkreises setzen sich aus engagierten Privatpersonen, Biofirmen, landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Betrieben sowie anderen Organisationen aus Tierschutz und Naturschutz zusammen. Da sich unsere Arbeit im Moment lediglich aus Mitgliedsbeiträgen finanziert, ist eine (Förder-)Mitgliedschaft der effizienteste und einfachste Weg, uns zu fördern.

Unterstützung wünschen wir uns im Bereich Fundraising. Personen mit fundierten Kenntnissen und Erfahrung in der Fördermittelakquise dürfen sich gerne bei uns melden.

Da der Einzug in den Lebensmitteleinzelhandel noch recht schwierig ist, brauchen wir auch hier Unterstützung. Wer Kontakte zu Einkäufer*innen von Supermärkten und Discountern hat, kann möglicherweise dahin wirken, die biozyklisch-vegan zertifizierte Ware ins Sortiment aufnehmen zu lassen. Oder auch einfach mal im Lieblings-Bioladen dazu anregen.

Grunsätzlich ist einfach wichtig, das Thema in die ernährungspolitischen Diskurse aufzunehmen und nicht nur über vegane Ernährung, sondern auch über den veganen Anbau zu sprechen.

Kontakt

Anja Bonzheim
Mail: foerderkreis[at]biozyklisch-vegan.org
Homepage: www.biozyklisch-vegan.org

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