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Bruderhahn Initiative Deutschland e.V. (kurz: BID)

Die Bruderhahn Initiative Deutschland (BID) wurde 2012 gegründet, um das nutzlose Töten der Bruderküken der Legehennen sofort zu stoppen. Durch eine Querfinanzierung über die Eier („4 Cent für die Ethik“) wird die im Vergleich zu Masthähnchen längere Aufzuchtdauer der Bruderküken ermöglicht. Dabei sieht sich die BID jedoch als Übergangslösung hin zu Zweinutzungsrassen und arbeitet eng mit der Ökologischen Tierzucht gGmbH (ÖTZ) zusammen.

Logo BID, Weißer Hahn auf pinkem Grund

© Bruderhahn Initiative Deutschland e.V.

Wer, was und wann

Die BID wurde 2012 von den Geschäftsführern der Naturkostgroßhändler Naturkost Nord, Naturkost Elkershausen und Naturkost Erfurt sowie dem Geflügelhalter Carsten Bauck vom Bauckhof Klein Süstedt bei Uelzen gegründet.

Mittlerweile beteiligen sich über 30 landwirtschaftliche Betriebe an der BID, dazu kommen verarbeitende Betriebe und weitere Großhändler.

Die BID ist eine rein ökologische Initiative und alle beteiligten Landwirtschaftsbetriebe sind zudem Mitglied in den Anbauverbänden Bioland und/oder Demeter.

© Bauckhof Klein Süstedt und Bruderhahn Initiative Deutschland e.V.

Hintergrund und Ziele

In der ökologischen wie in der konventionellen Geflügelwirtschaft werden fast ausschließlich Hochleistungsrassen zweier Richtungen gehalten. Auf der einen Seite Masthähnchen (männlich/weiblich), auf der anderen Seite Legehennen, die kaum Fleisch ansetzen, was dazu führt, dass die männlichen Küken nichts wert sind und direkt nach dem Schlüpfen getötet werden.

Dies wollten die Gründer der Bruderhahn Initiative 2012 nicht weiter hinnehmen. Durch die Initiative sollte die Problematik an die Verbraucherinnen und Verbraucher getragen sowie eine Möglichkeit geschaffen werden, die männlichen Küken ebenfalls aufzuziehen. Da dies jedoch deutlich länger dauert, wurden „4 Cent für die Ethik“ eingeführt: Ein Aufschlag auf die Eier der Legehennen, die damit die zusätzlichen Aufzuchtkosten (vereinfacht: längere Mastdauer = höhere Futterkosten) ihrer „Brüder“ mitfinanzieren. Es wurde ein Siegel zum Erkennen der Produkte geschaffen, mit den dazugehörigen Richtlinien und einer Zertifizierung. Dabei fungiert die BID aber nicht als Vermarktungsgesellschaft.

Doch das Verhindern des nutzlosen Tötens der Hähne geht uns nicht weit genug. Denn es ändert nicht unbedingt etwas daran, dass die Zucht der wenigen gängigen Geflügelrassen in der Hand vier großer, global agierender Unternehmen liegt (= Konzernabhängigkeit der Landwirte), welche keine Zucht unter ökologischen Bedingungen betreiben, d.h. die Zuchttiere leben zum einen in extrem engen Einzelkäfigen und können ihr arttypisches Verhalten nicht ausleben, zum anderen wird kein Wert auf die gute Verwertbarkeit von ökologischen Futterkomponenten gelegt.

Wir sehen die Bruderhahn Initiative deshalb als Übergangslösung auf dem Weg zu Zweinutzungsrassen aus ökologischer Zucht. Zu Rassen also, wo die Henne Eier legt und der Hahn gemästet wird. Dabei sind Legeleistung und Fleischansatz natürlich geringer, als bei den jeweils spezialisierten Rassen, aber die Tiere sind vitaler und dem Ökolandbau angepasster. Hochleistungstiere benötigen Hochleistungsfutter, was eine Ernährung vom eigenen Betrieb im Sinne einer ökologischen Kreislaufwirtschaft oft unmöglich macht (um den erhöhten Eiweißbedarf der Legehybriden zu decken, werden in der konventionellen Hühnerhaltung technische Aminosäuren eingesetzt). Eine Quersubventionierung ist beim ökologischen Zweinutzungshuhn nicht mehr notwendig und jedes Produkt (Eier, Suppenhuhn, Hahn) kann für sich stehen.

Um dorthin zu kommen, arbeiten wir eng mit der Ökologischen Tierzucht gGmbH zusammen, die Anfang 2015 von den Anbauverbänden Bioland und Demeter gegründet wurde, mit dem Ziel eine ökologische Zucht (erst einmal im Geflügelbereich) zu starten. Mittlerweile gibt es erste Betriebe, die Zweinutzungshühner und -hähne aus dieser Zuchtarbeit halten.

Nachdem wir nun seit 2012 in der ökologischen Hühnerhaltung einiges mit auf den Weg bringen konnten, werden wir uns dieses Jahr umbenennen in BruderTIERInitiative Deutschland (weiter kurz: BID), da es auch in anderen Bereichen der ökologischen Tierhaltung massive ethische Probleme zu bearbeiten gibt. Als Beispiel seien hier die männlichen Kälber in der Milchviehhaltung genannt, welche wie die Bruderhähne nichts wert sind und meistens in die konventionelle Mast gehen. Außerdem wollen wir uns mit einer Schlachtzertifizierung befassen, um die Grundsätze einer ethischen, ökologischen Tierhaltung bis zum Schluss zu gewährleisten.

Doch solange in der (ökologischen) Hühnerhaltung Zweinutzungsrassen noch nicht Standard sind, werden wir bei den Bruderhähnen weiter aktiv sein und unser eingeführtes System fortführen. Mittlerweile gibt es zudem viele weitere Initiativen in Deutschland, die sich diesem Thema angenommen haben (bio und konventionell) und häufig ebenfalls über die Eier die teurere Aufzucht der Bruderhähne querfinanzieren. Ein wesentlicher Unterschied ist jedoch in den meisten Fällen, dass diese Initiativen keine Umstellung auf Zweinutzungsrassen anstreben.

Miteinander Lernen

Was waren die größten Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Projektes und wie seid Ihr damit umgegangen?

Die größte Herausforderung war und ist es für uns, die Verbraucherinnen und Verbraucher dafür zu sensibilisieren, dass Ei, Henne und Hahn zusammengehören, was bedeutet, dass auch das Hahnenfleisch gegessen werden muss.

Welche Unterstützung ist für das Gelingen des Projektes unerlässlich (gewesen)?

Die Abnahme des Bruderhahnfleisches durch die Verbraucherinnen und Verbraucher.

Was würdet Ihr anders machen, wenn Ihr noch einmal von vorne anfangen würdet?

Wir würden wieder alles genauso machen und sind froh über alle Erfahrungen, die wir nun für unsere Weiterentwicklung zur Brudertier Initiative nutzen können.

Wie könnten Forschende Euer Vorhaben unterstützen? Welche Fragen sind bisher unbeantwortet geblieben?

Wissenschaftler und Forschende können sich gerne an uns oder die ÖTZ wenden. Die Züchtung der neuen Zweinutzungsrassen wird bereits durch Forschung begleitet, hat aber immer wieder konkrete Teilaspekte, die in Forschungsvorhaben untersucht werden können. Hierzu gerne melden unter: info@oekotierzucht.de.

Immer wieder nachgefragt werden auch Leistungsdaten zur Bruderhahn Aufzucht, wie Futterverbrauch, Tiergewichte, Haltungsdauer, Schlachtgewichte/Ausschlachtung, Preise in der Vermarktung. Auch eine deutschlandweite Marktanalyse zur Bruderhahn-Fleischvermarktung (wo gibt es das Fleisch zu kaufen, welche Marken, Hersteller, Preise etc. gibt es) fehlt bisher noch.

Austausch und Unterstützung

Die BID arbeitet eng mit der Ökologischen Tierzucht gGmbH (kurz ÖTZ) zusammen. Grundsätzlich gilt: je mehr sich an unserer Idee beteiligen (ob als Konsument, als Landwirt, als Händler, als Unterstützer), desto schneller kommen wir dahin, dass Bruderhähne aufgezogen und vermarktet werden und langfristig Zweinutzungsrassen markttauglich sind.

Was wir Euch noch sagen möchten

Einkaufen ist politisch! Das Bruderhahn-Konzept funktioniert nur, wenn auch das Fleisch der Hähne gekauft und gegessen wird. Eine einfache Rechnung macht das deutlich: eine Bio-Henne legt ca. 250 Eier im Jahr, so viele wie durchschnittlich in Deutschland pro Person und Jahr gegessen werden. Da für jede Henne ein Hahn aufgezogen wird, muss pro Person ein Hahn im Jahr gegessen werden, damit die Rechnung aufgeht. Überall, wo Eier und Fleisch von Zweinutzungsrassen angeboten wird: entscheidet euch für diese Produkte für einen Systemwandel in der Geflügelwirtschaft.

Kontakt

Organisation: Bruderhahn Initiative Deutschland e.V.

Name der Ansprechpersonen: Lisa Minkmar, Lara Andress, Pamela Wieckmann

Website: http://www.bruderhahn.de

Adresse: Bosteler Feld 19, 21218 Seevetal

E-mail: info@bruderhahn.de

Telefon: 04105 580 40 192

Infos zur ÖTZ: http://www.oekotierzucht.de und http://www.das-oekohuhn.de

Verbraucher*in
Projekt
Tierhaltung / Tierwohl
Übergreifend

Fragen, Antworten und Ergänzungen

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