himmelbeet

Das himmelbeet ist ein Gemeinschaftsprojekt. Auf die Frage, was das himmelbeet ist, existieren bestimmt mehr Antworten als Würmer in unserem Kompost. Sollten wir sagen, was uns antreibt, es zu erhalten, dann ist es die Formulierung eines Anspruchs: Das gute Leben für Alle. Ein Versuch. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Erstellt am

12.09.2018

Aktualisiert am 04.10.2018
Eine Vielzahl an Beeten. Im Hintergrund ragt ein Hochhaus empor.

Himmelbeet in der Ruheplatzstraße in Berlin Wedding, CC-BY-SA von Fridolin freudenfett auf wikipedia.org

Wer, was und wann

Die gemeinnützige GmbH ist 2012 aus der Initiative einer Gruppe von Menschen entstanden mit der Idee, den Wedding grüner und ökologischer zu gestalten. Nachdem die Vision eines Dachgartens u.a. aus Gründen des Brandschutzes nicht realisiert werden konnte, ist das himmelbeet seit 2013 an der Ruheplatzstrasse zu finden. Die Nutzung dieser Fläche endet aller Voraussicht nach am 31.10.2019, eine Alternativfläche konnte bislang nicht gefunden werden.

Hintergrund und Ziele

Soziale und ökologische Krisen sind die Themen unserer Zeit. Nicht nur das sich änderndes Klima hat katastrophale Folgen. Abschottung und Populismus können keine Antworten auf globale Herausforderungen sein. Wir arbeiten intensiv zu den Themen gesellschaftliche Transformation und Zukunft der Stadt. Wir wollen Möglichkeiten schaffen, jenseits monetärer Zusammenhänge – egal ob es um Bildung oder gute Nahrungsmittel geht. Weil niemand alles kann und gute Ideen Platz brauchen, teilen wir den Raum mit anderen. Wir verstehen uns darum als Plattform in der Nachbarschaft und darüber hinaus als Teil eines Netzwerkes von der globalen bis zur lokalen Ebene, das unsere Ziele teilt.

Das himmelbeet ist ein diverses Projekt mit breiter Organisationsstruktur und verschiedenen Aktionsfeldern. Unser Gemeinschaftsgarten wird von einer großen, offenen Gruppe überwiegend in freiwilliger Arbeit betrieben. Ein Teil der Beete wird von Nachbar*innen gepachtet, ein Teil in Gemeinschaft gepflegt. 30 Beete sind an soziale Initiativen und Träger vergeben. Wir gärtnern ökologisch mit samenfestem Saatgut. Alte und seltene Sorten liegen uns besonders am Herzen.

Wir verstehen das himmelbeet als einen gemeinschaftlich verwalteten öffentlichen Raum. Alle haben zu den Öffnungszeiten Zutritt. Jeder soll hier tun können was er gerne tut und sein können wie er ist. Immer soll der Umgang miteinander von gegenseitigem Respekt und Achtsamkeit füreinander geprägt sein. Der Garten ist ein Raum mit vielen Funktionen der auf verschiedene Arten und Weisen genutzt werden kann, das aktive Nichtstun eingeschlossen. Oft stehen Ruhe und Erholung im Vordergrund, oft auch das gemeinsame Arbeiten. Und manchmal feiern wir mit Allen zusammen.

Immer während der Öffnungszeiten des Gartens werden Gemüse, Kräuter und Jungpflanzen aus eigener Anzucht nach ökologischen Kriterien verkauft. Damit sich Kund*in und Gemüse besser kennenlernen funktioniert der Verkauf nach dem Selbsternteprinzip. Natürlich beraten und helfen wir dabei. Je nach Saison stellen wir aus der Ernte verschiedene Produkte her. Auch der Honig von unseren Bienen wird im Garten direkt vermarktet.

Das Garten-Café entstand im Sommer 2014 dank vieler helfender Hände in einer offenen und gemeinschaftlichen Bauaktion. Es besteht aus nachhaltigen, wiederverwertbaren Baustoffen wie Holz und Strohlehm. Das Angebot soll viele Geschmäcker treffen und Raum dafür lassen, Neues kennen zu lernen. Wir kochen vegetarisch-vegan. Weil es geht und gut für das Klima ist.

Im Café wird ausprobiert, wie nachhaltiges Wirtschaften durch lokale Wertschöpfung möglich ist. Der Betrieb folgt dem Low-Waste-Prinzip: so wenig Müll wie möglich produzieren und Kreisläufe nutzen. Alle verwendeten Salate, Kräuter, Blüten, ein Teil des Gemüses und neuerdings auch Pilze wachsen hier im Garten. Auf dem Cafédach wohnen Bienen, die köstlichen Honig herstellen und uns bei der Gartenarbeit unterstützen. Wir produzieren so viel wie möglich selbst, nutzen wenig verarbeitete Rohstoffe in Großgebinden und Trockenform. Eingekaufte Produkte sind so viel wie möglich fair gehandelt und ökologisch erzeugt. Den Anteil der direkt vermarkteten Produkte wollen wir soweit wie möglich steigern.

Vom allgemeinen Wettbewerbsdruck mit seinen negativen Folgen für Menschen und Natur wollen wir möglichst unabhängig sein. Dafür suchen wir nach Konzepten die mehr Gerechtigkeit, auf lokaler und globaler Ebene, ermöglichen. Wir wollen für Mensch und Natur fair erzeugte Lebensmittel unter guten Bedingungen verarbeiten und zu Preisen verkaufen, die sich Alle leisten können. Eben das Gute Leben für Alle. In der Welt die wir uns wünschen und für die wir arbeiten, ist das möglich. Aktuell kann es nur ein Kompromiss sein. Wir müssen Kosten decken, gleichzeitig wünschen wir uns, dass Alle am Angebot teilhaben können. Darum gibt es zum Beispiel Angebote nach dem Solidarprinzip. Der höhere Solipreis finanziert den günstigen Normalpreis. Es ist allerdings auch möglich, sich mit Speisen und Getränken selbst zu versorgen, es gibt keinen Verzehrzwang.

Im Bereich partizipativer Gartenbau gestalten wir Gärten für Menschen an ihren Orten, in ihren Nachbarschaften. In den meisten Fällen bauen wir den Garten nicht nur auf, sondern betreuen das neue Projekt auch fachlich und pädagogisch.

In Förderprojekten beschäftigen wir uns mit weiteren Themen, die wir wichtig finden. Es geht z.B. um die Inklusion von Menschen, die von der Gesellschaft behindert werden oder die Anpassung an die Klimakrise im Alltag.

Der Kernbetrieb wird von einer festen Gruppe weniger Menschen aufrechterhalten. Wir arbeiten in kollektiven Strukturen und setzen uns kritisch mit Fragen von Bezahlung und gesunden Arbeitsstrukturen auseinander. Die Überschüsse einzelner Bereiche finanzieren unsere ideellen Angebote wie den Backofentag, unsere AGs oder die Instandhaltung des Gemeinschaftsgartens. Wir sind gemeinnützig und erwirtschaften keine Gewinne.

Kontakt

mail@himmelbeet.de

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