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Foodcoops

Steckbrief des Projekts "Sozial-ökologische Transformation des Ernährungssystems"

Foodcoops (auch: Lebensmittelkooperativen) sind Zusammenschlüsse von Personen und Haushalten, die Lebensmittel selbstorganisiert beziehen. Die Gemeinschaften sind selbstverwaltet und nicht gewinnorientiert,[1] die anfallende Arbeit übernehmen die Mitglieder selbst.[2]

Die àSolidarische Landwirtschaft kann als eine Sonderform der Foodcoops gesehen werden, bei der zusätzlich zu den oben genannten Punkten die Risikoteilung mit den Erzeugern und Erzeugerinnen eine zentrale Rolle einnimmt. Da dies andere Auswirkungen auf die Produktion, insbesondere in Bezug auf das Umweltentlastungspotenzial, zur Folge hat, wird Solidarische Landwirtschaft als eigene Nische betrachtet.

Ziel und Innovation

Meist ist der Bezug regionaler, saisonaler, ökologisch nachhaltiger und sozial gerecht produzierter Lebensmittel direkt von dem Erzeuger oder der Erzeugerin das Hauptanliegen. Es gibt aber auch Foodcoops, die vom Großhandel bestellen und bei denen der preisgünstigere Bezug im Vergleich zum Einkauf über den Lebensmitteleinzelhandel im Vordergrund steht.[3] Innovativ sind vor allem erstgenannte: Den Erzeugern und Erzeugerinnen wird neben dem Verkauf über Großhandel und Selbstvermarktung in Hofläden und auf Märkten eine weitere Absatzmöglichkeit gegeben. Der Anbau ökologischer und sozial gerechter Produkte in der Region, meist auf kleineren Betrieben, wird gefördert. Durch den direkten Bezug werden außerdem Transparenz und Vertrauen hergestellt sowie einkommensschwächeren Personen der Konsum von Lebensmitteln in Bio-Qualität ermöglicht.[4]

Beispiele

Foodcoop Münster, Futterkollektiv, Geschälte Tomaten e.V., Bestell-Coop Paderborn-Dahl

Kategorie

Handel (Märkte, Nutzerpraktiken, Infrastrukturen), Konsum (Märkte)

Akteur*innen

Vereine, Landwirtschaftliche Betriebe, Konsumenten und Konsumentinnen

Entwicklungsstand und -dynamik

Als Bio-Produkte fast überall verfügbar wurden, erlebten Foodcoops einen deutlichen Rückgang. Heute hat sich der Fokus der meisten Kooperativen auf neue Merkmale erweitert (Regionalität, sozial gerechte Produktion der Lebensmittel).[6] Somit kommt Foodcoops immer dann eine wichtige Rolle zu, wenn ein Teil der Verbraucher und Verbraucherinnen Produkte mit Eigenschaften wünscht, die im Einzelhandel (noch) nicht oder nur schwer erhältlich sind. Daher erleben sie vor allem zeitweise Aufschwünge.

Nachhaltigkeitspotenzial

Ökologisch

  • Biodiversität/Artenvielfalt (indirekt)
  • Boden (indirekt)
  • Wasser (indirekt)
  • Klima (indirekt)
  • Ressourceneffizienz in Produktion und Konsum (indirekt)

Ökonomisch

  • Armutsbekämpfung (indirekt)
  • Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe
  • Unterstützung von Akteuren mit positiven externen Effekten
  • Herstellen von Transparenz entlang der Wertschöpfungskette (indirekt)

Sozial

  • Gesundheit: Zugang zu gesunder Ernährung (indirekt)
  • Partizipation
  • Soziale Gerechtigkeit
  • Bewusstsein / Bildung für nachhaltige Ernährung (indirekt)

Risiken / Nachteile

Das klassische Foodcoop-Konzept erweist sich aufgrund der Lagerungs- und Abholorganisation als weniger alltagstauglich für die breite Bevölkerung, da eine höhere Eigenverantwortung, ehrenamtliches Engagement, Netzwerken und Organisieren der Mitglieder wesentlich für die Umsetzung sind.

Fazit

Foodcoops (auch: Lebensmittelkooperativen) sind Zusammenschlüsse von Personen und Haushalten, die Lebensmittel selbstorganisiert beziehen und dabei selbstverwaltet und nicht gewinnorientiert agieren. Ziel ist meist der Bezug regionaler, saisonaler, ökologisch nachhaltiger und sozial gerecht produzierter Lebensmittel direkt von Erzeugern und Erzeugerinnen zu günstigen Endnutzerpreisen. Dadurch können Transparenz und Vertrauen verbessert werden und es kann einkommensschwächeren Personen der Konsum von Lebensmitteln in Bio-Qualität ermöglicht werden. Die Nische bietet daher nicht nur indirekt ein hohes ökologisches, sondern auch direkt ein hohes ökonomischen und soziales Nachhaltigkeitspotenzial. Das Transformationspotenzial wird dagegen aktuell als durchmischt eingeschätzt, u.a. in Hinsicht auf die Reichweite, aktuelle gesellschaftliche Debatten und verfügbarer Infrastruktur. Mit gesetzlichen Verbesserungen und einer Skalierung im Mainstream (nach internationalen Vorbildern) könnte dieses Potenzial noch deutlich ausgebaut werden. Beim klassischen Foodcoop Konzept ist aufgrund der heutigen Bequemlichkeitsanforderungen von Verbrauchern und Verbraucherinnen allerdings nicht mit einer flächendeckenden Nachfrage zu rechnen. Auf der anderen Seite ist die Skalierung von Foodcoops mit Mitgliederläden sehr gut vorstellbar. Hier ist es wichtig, bei der Produktpalette eine Herkunft von regionalen Kleinproduzenten und –produzentinnen zu garantieren.


[1] IG Foodcoops (2018): Was ist eine FoodCoop? Web, 03.05.2018. foodcoops.at/was-ist-eine-foodcoop/

[2]FoodCoop BundesAG s (2018): Häufige Fragen zu Foodoops. Web, 03.05.2018. www.foodcoops.de

[3] IG Foodcoops (2018): Was ist eine FoodCoop? Web, 03.05.2018. foodcoops.at/was-ist-eine-foodcoop/

[4]Weinmann, C. (2018): Lebensmittelkooperativen – Hintergründe, Grundsätze und Motivation. Web, 03.05.2018. www.foodcoop-karlsruhe.de/coopselbstv.html

[5]Jaklin, U. (2013): Kleinbäuer*innen und die Foodcoop D’Speis (Wien): Gründe für die Teilnahme an einem alternativen Lebensmittelnetzwerk. Diplomarbeit, S. 23f. Web, 05.06.2018. foodcoops.at/wp-content/uploads/2012/02/DA_JAKLIN_final_02.pdf;

[6]Weinmann, C. (2018): Lebensmittelkooperativen – Hintergründe, Grundsätze und Motivation.