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Anspruch und Wirklichkeit bei der Umsetzung eines nachhaltigen städtischen Ernährungssystems

eine empirische Vorstudie der Berner Ernährungsinitiativen1,2

In dem kürzlich im oekom Verlag erschienen Buch „Postwachstumsstadt“ setzen sich die Autorinnen dieses Beitrags mit den Strukturen städtischer Ernährungssysteme und Food Governance-Strategien am Beispiel der Stadt Bern auseinander und diskutieren, wie ein nachhaltiges Berner Ernährungssystem erreicht werden kann.

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Zivilgesellschaftliche Ansätze / Ernährungsräte
Ernährungspolitik
Übergreifend
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CC0 von Wolfgang Ehrecke auf pixabay.com

1. Einleitung

Städtische Ernährungsinitiativen streben mit individuellen Strategien eine Transformation hin zu einem nachhaltigen Ernährungssystem an. Sie verkaufen bspw. unverpackte Lebensmittel, um Plastik zu vermeiden, oder bieten biologische, regional produzierte Lebensmittel direkt ab Hof an. Beim Versuch ihre Ansprüche in die Wirklichkeit umzusetzen, sowie mit ihrer Pionierarbeit aus der gesellschaftlichen Nische herauszutreten, stoßen die städtischen Lebensmittelproduzenten,3 Händler, Gastronomen sowie sozial-ökologischen Unternehmer auf unterschiedliche Herausforderungen. So finden ökologische und soziale Ansprüche nicht unbedingt Einklang miteinander, wenn bspw. einerseits biologisch produzierte Lebensmittel angeboten werden, andererseits die Bezahlung eines fairen Lohns für die eigenen Mitarbeiter kaum umsetzbar ist. Neben dem Bereitstellen eines alternativen Angebots versuchen die Initiativen, Bürger für die Thematik zu sensibilisieren und politische Lobbyarbeit zu betreiben; dies um die vorhandenen Strukturen sowie Regime zu verändern. Hierbei müssen sie sich u.a. mit Themen der Ernährungssicherheit oder staatlichen Regulierungen auseinandersetzen. Derzeit ist unklar, inwiefern die Initiativen tatsächlich einen tiefgreifenden Einfluss auf die vorhandenen Strukturen der städtischen Ernährungssysteme haben. Diese Nischen, in denen sich die Ernährungsinitiativen immer noch bewegen, sind Gegenstand von Transitionstheorien, wie der Mehr-Ebenen-Perspektive (Geels, 2002) (vgl. auch den Beitrag von Anton Brokow-Loga, Franziska Felger, Jannis Koch und Anna-Maria Weber in diesem Band). Dabei werden u.a. der Einfluss des Handelns in den Nischen auf strukturelle Rahmenbedingungen sowie die Wechselwirkungen mit übergeordneten Entwicklungen wie dem Klimawandel analysiert. Innerhalb dieses Beitrags beschäftigen wir uns aus umweltsoziologischer und konsumwissenschaftlicher Perspektive mit den städtischen zivilgesellschaftlichen Ernährungsinitiativen in der Schweizer Hauptstadt Bern. Diesbezüglich stellen wir eine Vorstudie vor, in der wir mithilfe explorativer Experteninterviews die Ansprüche, Herausforderungen und Zielkonflikte der Ernährungsinitiativen sowie die strukturellen Rahmenbedingungen, in denen sie sich bewegen, untersucht haben. Des Weiteren diskutieren wir kritisch die Mehr-Ebenen-Perspektive und mögliche partizipative Ansätze bei der Erforschung von Ernährungssystemen allgemein. Partizipative Ansätze und eine demokratische Teilhabe der Stadtbevölkerung an einem urbanen Ernährungssystem könnten einen wichtigen Beitrag leisten, um städtische Strukturen resilienter gegenüber sozialen, politischen und ökologischen Herausforderungen zu gestalten. Dazu zählen u.a. der Klimawandel, der Verlust der Biodiversität oder die soziale Ungleichheit beim Zugang zu einer nachhaltigen und gesunden Ernährung. Einerseits produzieren Städte diese Herausforderungen, andererseits entstehen immer wieder neue, nachhaltige Lebensformen oder Initiativen, die dem Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung Folge leisten wollen. Für eine sozial-ökologische Transformation von Städten benötigt es demzufolge sowohl die Förderung von Bottom-up-Initiativen und nachhaltigen Lebensformen durch geeignete Rahmenbedingungen und Partizipation (vgl. diesbezüglich auch den Beitrag von Sanna Frischknecht, Moritz Maurer und Dietmar Wetzel in diesem Band) als auch eine nachhaltige Stadtpolitik mit einem veränderten Verständnis von Stadtentwicklung und das kritische Hinterfragen vorherrschender Wachstumsparadigmen. Ein Diskurs über eine solche Postwachstumsstadt setzt nicht zuletzt einen engen Austausch zwischen Wissenschaft und Politik voraus. Dieser Buchabschnitt präsentiert folglich kein fertiges Forschungsprojekt, sondern soll einen Beitrag leisten, die besonderen Strukturen städtischer Ernährungssysteme sowie die dazugehörigen Food Governance-Strategien besser zu verstehen. Schließlich diskutieren wir mögliche Wege, wie die Herausforderungen eines nachhaltigen Berner Ernährungssystems gemeistert werden können.

2. Transformation eines städtischen Ernährungssystems? Das Beispiel Bern.

Eine nachhaltige Gestaltung der städtischen Ernährungssysteme ist notwendig, um eine resiliente, umweltfreundliche, sozialverträgliche und gesunde Ernährungsversorgung langfristig zu gewährleisten (Brand, 2017). Gemäß der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) (2018) umfassen Ernährungssysteme alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette, verknüpfen Aktivitäten aus der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft, sind beeinflusst von der Umwelt sowie gesellschaftlichen Normen und Werten und bestehen aus interagierenden Teilsystemen, wie dem Landwirtschaftssystem. Städtische Ernährungssysteme sehen sich mit unterschiedlichen Herausforderungen wie Klimawandel, Umweltverschmutzung, Urbanisierung, Food Waste oder einer gesunden und sicheren Ernährung der Stadtbevölkerung konfrontiert (u.a. FAO, 2018; Hirsch, 2018; Wiskerke & Viljoen, 2012). Eine weitere Herausforderung ist die Transformation von Lebensstilen, damit diese mit einer nachhaltigen Ernährung im Einklang sind (Markoni, 2017). Gemäß Hirsch (2018) müssen sich Stadtverwaltungen mit den genannten Herausforderungen auseinandersetzen, wobei oftmals geeignete Governance-Strategien fehlen, die einerseits die Partizipation der Bürger und andererseits Top-Down-Ansätze kommunaler Verwaltungen erfordern. Im Hinblick auf eine nachhaltige Stadtgestaltung werden vermehrt Postwachstumsstrategien diskutiert (u.a. Posse, 2015; Schubrink et al., 2013; Scherhorn, 2012; Reichel & Seeberg, 2011). Hierbei benötigt es neben einem nachhaltigen Unternehmertum jedoch adäquate politische Rahmenbedingungen und ein bewusstes, individuelles Handeln (v.a. Suffizienz-Strategien) (Posse, 2015). Hierfür ist laut Schmelzer (2017, S. 183) ein radikaler »Rückgang der «Fremdversorgung« zugunsten regionaler und lokaler Ökonomien, Selbstversorgung und Eigenproduktion“ notwendig.

2.1 Das Berner Ernährungssystem

Gemäß Lehmann (2016, S.10), dem ehemaligen Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) in der Schweiz, ist das Schweizer Ernährungssystem »ein komplexes Gebilde mit diversen Gruppen von Akteuren, die untereinander interagieren« und weist einen überdurchschnittlich hohen ökologischen Fußabdruck auf.4 Dabei steht es in Wechselwirkung mit globalen Systemen, indem natürliche Ressourcen größtenteils aus dem Ausland stammen (Lehmann, 2016).

Derzeit gestaltet der Bundesrat, so Lehmann (2016), Rahmenbedingungen, um in der Schweiz mithilfe einer standortangepassten und ressourceneffizienten Produktion, eines nachhaltigen Konsums und einer wettbewerbsfähigen Landwirtschaft die Ernährungssicherheit langfristig zu gewährleisten. Um Ernährungssysteme in Schweizer Städten nachhaltiger zu gestalten, wurden in den letzten Jahren unterschiedliche Netzwerke und Foren gegründet, sowie politische Ämter mit der Thematik betraut. Mehrere Städte haben diesbezüglich das »Mailänder Abkommen über städtische Ernährungspolitik« (Milan Urban Food Policy Pact (MUFPP)) unterschrieben (MUFFP, 2019). Das Ziel dieses Abkommens ist die Transformation der städtischen Ernährungssysteme mithilfe nachhaltiger Governance-Strategien (MUFPP, 2019). Dementsprechend wurde bspw. in Zürich ein Ernährungsforum lanciert und eine »Strategie nachhaltige Ernährung« verabschiedet (Ernährungsforum Zürich, 2019). Bern hat bislang den MUFPP nicht unterschrieben, diskutiert dennoch auf politischer Ebene mögliche Governance-Strategien. Der Kanton Bern, zu dem auch die Stadt Bern zählt und für den die Landwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, hat sich u.a. zum Ziel gesetzt, die regionale Entwicklung und Wettbewerbsfähigkeit zu fördern (Amt für Landwirtschaft und Natur, 2019a). So bieten Landwirte aus dem umliegenden See- und Mittelland Lebensmittel auf Wochenmärkten, in Delikatessenläden, direkt ab Hof, über das Internet und in Supermärkten an (LID, 2010). Weniger als 15 Prozent sind dabei Biobetriebe (Amt für Landwirtschaft und Natur, 2019b). In der Stadt Bern bieten unterschiedliche Ernährungsinitiativen Bio-Gemüse- und Fleischabonnements (Auslieferung per Fahrradkurier) oder Lebensmittel unverpackt an. Mit der regionalen Vertragslandwirtschaft kann sich die Stadtbevölkerung selbst an Anbau und Ernte beteiligen. Die Stadt Bern hat sich zudem aufgrund der Lokalen Agenda 21 verpflichtet, »nachhaltige Tätigkeiten, die ein gesundes Leben unter fairen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen« ermöglichen, zu fördern (Amt für Umweltschutz, 2019a). Mit diesem politischen Engagement, mithilfe des Amts für Umweltschutz, und aufgrund mehrerer Bottom-up-Anstöße aus der Zivilgesellschaft durch Ernährungsinitiativen und der »Oekonomischen Gemeinnützigen Gesellschaft« (OGG), die seit über 250 Jahren Projekte zur nachhaltigen Ernährung unterstützt, entstand 2017 das Netzwerk »KULINATA« (Amt für Umweltschutz, 2019a; Krähenbühl, 2018; Bosshardt et al., 12/2015). Heute zählen über 90 Mitglieder zu dem Netzwerk, welches seit 2018 die »KULINATA«, ein Event rund um die nachhaltige Ernährung in Bern, präsentiert (Amt für Umweltschutz, 2019b). Bislang fehlte eine strukturierte Vernetzung der Akteure bzw. fand der Austausch in losen Netzwerken statt. Die »KULINATA« soll diesbezüglich eine Plattform bieten, der Thematik Sichtbarkeit verleihen, die Vernetzung fördern und die Stadtbevölkerung sensibilisieren (Amt für Umweltschutz, 2019b). Eine weitere Vernetzung der Ernährungsinitiativen mit Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur findet durch #bärenhunger (2019), einem jungen Kollektiv aus der Zivilgesellschaft, statt. Dieses Kollektiv entwickelt derzeit partizipativ mit den genannten Akteuren ein Manifest zur nachhaltigen und regionalen Ernährung.

Derzeit ist ungewiss, inwiefern die städtischen Ernährungsinitiativen eine Transformation hin zu einem nachhaltigen städtischen Ernährungssystem mit bewirken können. Diesbezüglich sind ebenfalls die Stadtbevölkerung und ihre Ernährungsgewohnheiten richtungsweisend. Gemäß Eckardt (2013) sind Städte »Spiegelbilder für Veränderungen in der Gesellschaft« und Verwaltungsstädte, wie Bern als Hauptstadt der Schweiz, hatten historisch gesehen andere Bedürfnisse als bspw. Industriestädte. Heutzutage verändern jedoch zusätzlich mobile Arbeitsverhältnisse und flexible Lebensgewohnheiten die Bedürfnisse der Stadtbewohner (Eckardt, 2013). Diese Bedürfnisse manifestieren sich in Ernährungsgewohnheiten, wobei v.a. auch unterschiedliche Lebensstile und soziale Lagen den Geschmack und somit die Ernährung beeinflussen (Barlösius, 2011; Bourdieu, 1987). Schließlich haben Ernährungsgewohnheiten auch immer einen kulturellen Hintergrund, wobei, gemäß Kofahl (2014), mehrere Ernährungskulturen aufeinandertreffen und sich dadurch unterschiedliche Ernährungsidentitäten bilden. Innerhalb der Nachhaltigkeitsinnovationsforschung modelliert die Mehr-Ebenen-Perspektive (u.a. Köhler et al., 01/2017; Steinhilber et al., 2013; Geels, 2011) die Wechselwirkungen »zwischen technologischen, ökonomischen, politischen und kulturellen Veränderungsprozessen« (Schrape, 2014, S. 1). Dadurch kann sie zum Verständnis beitragen, inwiefern Nischen aufgrund dieser Wechselwirkungen breitenwirksam werden können.

2.2. Die Mehr-Ebenen-Perspektive am Beispiel der Ernährungsinitiativen in Bern

Innerhalb der Mehr-Ebenen-Perspektive werden drei sich gegenseitig beeinflussende Ebenen dargestellt: Landschaft (landscape), Regime (regimes) und Nischen (niches) (Köhler et al., 01/2017; Geels, 2002). Die Landschaft bildet den übergeordneten Rahmen, der nicht direkt zu beeinflussen ist. Dazu gehören Trends, wie die Globalisierung, oder Veränderungen, wie der Klimawandel (Köhler et al., 01/2017; Schrape, 2014). Soziotechnische Regime, Konstellationen unterschiedlicher Akteure und Teilsysteme, wie Wirtschaft, Politik oder Wissenschaft, werden von der Landschaft geprägt und bewegen sich in bestehenden sozioökonomischen, politischen und technischen Strukturen mit festgelegten Regeln und Konventionen (Köhler et al., 01/2017; Köhler et al. 2012; Schrape, 2014). Gemäß Köhler et al. (01/2017, S. 4) bestehen in Gesellschaften »divergierende Verhaltens- und Handlungsmuster, die in der Transitionstheorie als Nischen (niches) bezeichnet werden«. Diese Nischen formieren sich in Akteursnetzwerken mit gemeinsamen Ansprüchen und Erwartungen, die auf den Druck der Landschaft stärker reagieren als mit den in Wechselwirkung stehenden Regimen und durch Innovationen Transitionen hervorbringen können (Köhler et al., 01/2017; Schrape, 2014; Smith & Raven, 2012; Geels, 2002). Diesbezüglich sind geeignete soziale, ökonomische und politische Rahmenbedingungen sowie neuartige Technologien unabdingbar, »um verantwortliches, nachhaltiges Verhalten und Engagement der verschiedenen gesellschaftlichen Akteure zu ermöglichen und zu unterstützen sowie veränderte Kreisläufe und Nutzungsmuster von Ressourcen und Gütern zu erreichen« (Köhler et al., 01/2017, S. 2). Am Beispiel Bern können einerseits Ernährungsinitiativen als Nischen auf soziale und Umweltprobleme aufmerksam machen, Alternativen bieten und Druck auf das vorhandene Regime ausüben. Andererseits stoßen die Initiativen auf unterschiedliche Herausforderungen, indem sie bspw. in ihrer Nische bleiben oder sich mit Zielkonflikten bei den Nachhaltigkeitsdimensionen (Soziales, Ökologie, Ökonomie) konfrontiert sehen.

3. Fragestellung, methodische Herangehensweise und Ergebnisse

Da es über die Lebenswelten der Ernährungsinitiativen in Bern, ihre Ansprüche an ein nachhaltiges Ernährungssystem und die individuellen Zielkonflikte bei der Umsetzung derzeit wenig Erkenntnisse gibt, wurde für eine Vorstudie ein explorativer Forschungsansatz gewählt. Die Vorstudie soll als Ausgangspunkt für ein partizipatives Forschungsprojekt zur Erforschung des Berner Ernährungssystems dienen, in dem gemeinsam mit Ernährungsinitiativen, dem Amt für Umweltschutz der Stadt Bern und weiteren Akteuren u.a. Forschungsfragen entwickelt werden. In der Partizipativen Aktionsforschung wird, gemäß Chevalier und Buckles (2019), der Erforschte zum Ko-Forscher, indem eigenständig Daten generiert werden. Zudem wird der Forschungsprozess demokratisch bestimmt, wobei unterschiedliche Grade der Partizipation bestehen können (Bergold & Thomas, 2012). Dies birgt jedoch das Risiko, dass Rollen und Beziehungen nicht eindeutig geregelt sind (Bergold & Thomas, 2012). Schließlich tritt anstelle der Objektivität des Forschenden eine kritisch reflektierte Subjektivität (Bergold & Thomas, 2012) (vgl. den Beitrag von Aylin Yildrim Tschoepe und Susanne Käser, die ebenfalls die Rolle als partizipative Forschende kritisch reflektieren, in diesem Band). Aufgrund dieser methodischen Vorgehensweise vernetzen wir uns als Forschende bereits in unterschiedlichen städtischen Gremien und nehmen an Workshops zum Ernährungssystem Bern teil. Dies mit der »Bereitschaft, sich in diesen Prozess hineinzubegeben« (Bergold & Thomas, 2012). Für die Vorstudie wurde resultierend aus den Erkenntnissen dieser Workshops folgende Forschungsfragen gewählt: Welche Ansprüche haben Berner Ernährungsinitiativen an ein nachhaltiges Ernährungssystem? Welche Herausforderungen ergeben sich bei der Umsetzung ihrer Ansprüche? Zwischen 2017 und 2019 wurden acht qualitative, semi-strukturierte Experteninterviews5 mit Vertretern der Ernährungsinitiativen der Stadt Bern durchgeführt, die zum Zeitpunkt der Interviews zwischen 20 und 60 Jahre alt waren. Die Interviews dauerten durchschnittlich 60 Minuten, wurden wörtlich transkribiert, ins Hochdeutsche übersetzt und anonymisiert. Für die Datenerhebung und -analyse orientierten wir uns an der qualitativen Inhaltsanalyse von Mayring (2015). Während Glaser und Strauss (1998) bei einer explorativen Vorgehensweise empfehlen, unvoreingenommen ins Feld zu gehen, um neue Hypothesen bilden zu können, ist es, gemäß Kluge und Kelle (1999), notwendig, durch eine Literaturstudie wissenschaftliches Vorwissen zu sammeln. So bildeten wir die ersten Kategorien deduktiv mithilfe unseres Vorwissens aus der Literatur sowie basierend auf dem halb-strukturierten Interviewleitfaden. Daraufhin teilten wir mithilfe von MAXQDA die erstellten Kategorien den jeweiligen Textstellen der Interview-Transkripte zu. Dies half uns die jeweiligen Interview-Transkripte zu vergleichen und zu systematisieren. Dennoch wurden weitere Kategorien induktiv direkt aus dem Datenmaterial gewonnen, um das vorab erstellte Kategoriensystem zu verfeinern. Zudem sollte so die von Glaser und Strauss (1998) postulierte Unvoreingenommenheit bewahrt und neue, überraschende Erkenntnisse ebenfalls bewusst miteinbezogen und analysiert werden. Im Folgenden werden die Ergebnisse aus der Vorstudie vorgestellt.

3.1. »Gemeinsam etwas bewegen und zusätzlich die Stadtbevölkerung sensibilisieren « – Ansprüche an ein nachhaltiges Ernährungssystem

Die interviewten Experten teilen das Ziel, gemeinsam und mit innovativen Bottom- up-Strategien das Ernährungssystem in Bern nachhaltiger zu gestalten. Sie nennen dabei gemeinsame Ansprüche, wie ein umweltschonender, regionaler Anbau von Getreide oder Gemüse, Verzicht auf Monokulturen, Biodiversität, keine Ausbeutung von Mensch, Land oder Grundwasser, die Sensibilisierung von Konsumierenden, das Tierwohl und schließlich sozial-verträgliche Arbeitsbedingungen auf landwirtschaftlichen Betrieben (z.B. faire Löhne). Neben Umwelt- und sozialen Faktoren, wird die Gesundheit sowie der Geschmack und die Qualität von Lebensmitteln angesprochen: »Ich finde das Idealprodukt für eine nachhaltige Ernährung wäre gesund, gut schmeckend, kommt aus der Region und belastet die Umwelt nicht« (Interview U.). Die Experten haben unterschiedliche Strategien, um eine Transformation mit zu bewirken und bieten alternative Angebote für die städtische Bevölkerung an. Einige Experten engagieren sich gegen Plastik und Food Waste, indem sie Lebensmittel unverpackt oder Kochkurse zur Verwendung aller essbaren Fleischstücke (»Nose to Tail«) anbieten. Andere produzieren biologisch Lebensmittel im städtischen Garten (urbane Landwirtschaft). Neben ihrem individuellen Angebot wollen sie die Stadtbevölkerung sensibilisieren, den Dialog zwischen Produzierenden und Konsumierenden fördern, Orte der Erholung und Spiritualität schaffen, sich untereinander vernetzen oder politische Lobbyarbeit betreiben. Einige Experten bieten zusätzlich Arbeitsplätze für sozial benachteiligte Personen oder einen Treffpunkt für Quartiersbewohner an. Die interviewten Experten haben schließlich gemein, dass sie regionale Wirtschaftskreisläufe fördern möchten. Teilweise sollen so Wertschöpfungsketten transparenter und kürzer gestaltet werden, um beispielsweise Lebensmittelskandalen vorzubeugen sowie globalen und komplexen Strukturen der Ernährungssysteme entgegenzuwirken. Durch Dialog und Einbezug der Stadtbevölkerung kann diesbezüglich Vertrauen sowie Bewusstsein geschaffen werden. Eine Vernetzung innerhalb der Initiativen erachten die Experten als wichtig, um sich auszutauschen und Synergien zu nutzen. Dabei befürchten einige Experten einen administrativen Mehraufwand. Schließlich sind nicht alle Interviewten gleichermaßen dogmatisch bei der Umsetzung ihrer Ansprüche eines nachhaltigen Ernährungssystems in die Wirklichkeit, sondern suchen teils pragmatisch nach der nachhaltigeren Alternative, wollen gemeinsam etwas bewegen und bemessen ihren Erfolg an der Summe der einzelnen Aktivitäten. So benötige es neben dem eigenen Handeln, verbindliche Ziele und geeignete politische Rahmenbedingungen für ein nachhaltiges Ernährungssystem, wie die finanzielle Förderung von Projekten oder Bau- und Nutzfläche, um Raum für Ernährungsinitiativen bereit zu stellen.

3.2. Anspruch und Wirklichkeit: Zielkonflikte und Herausforderungen eines nachhaltigen Ernährungssystems

Beim Umsetzen der Ansprüche in die Praxis stoßen die Experten auf unterschiedliche Herausforderungen sowie Zielkonflikte zwischen den und innerhalb der einzelnen Dimensionen der Nachhaltigkeit und nicht immer lassen sich die Ansprüche der Experten in die Praxis umsetzen. Ein Zielkonflikt zwischen den Dimensionen Ökonomie und Soziales ergibt sich beispielsweise, wenn aufgrund fehlender Rentabilität keine fairen Löhne an die Mitarbeitenden bezahlt werden können: »Wir haben niedrige Löhne und ein großer Teil ist das Engagement der Mitarbeitenden« (Interview Q.). Dadurch entstehen hohe Personalfluktuationen. Viele Experten betonen in diesem Zusammenhang, dass Arbeit in der Gesellschaft neu definiert werden muss und weniger vom Wirtschaftswachstum abhängig sein sollte. Zudem sei es ein Privileg, sich nachhaltige Lebensmittel leisten zu können. Dies trifft nicht für alle sozialen Schichten der Stadtbevölkerung zu. Die Experten suchen diesbezüglich nach Lösungen, wie gestaffelte Lebensmittelpreise. Des Weiteren bestehen Konflikte innerhalb der ökologischen Dimension der Nachhaltigkeit. Bspw. werden Lebensmittel, die aufgrund der Kosten oder klimatischen Bedingungen nicht regional produziert werden können, aus dem Ausland bezogen (ggf. mit Flugkompensation) oder konventionell produzierte Lebensmittel angeboten, um Food Waste zu vermeiden. Konflikte ergeben sich auch aufgrund des bestehenden Systems. Hierbei wird kritisiert, dass Energie einen zu tiefen Stellenwert hat, Treibstoff zu günstig ist und externe Kosten nicht im Preis abgebildet werden. Eine weitere Kritik spricht den Anspruch einiger Konsumierender an, jederzeit möglichst viele Lebensmittel zur Verfügung zu haben: »Das andere ist die Internationalität. (…) Warum muss man Erdbeeren aus Spanien haben? Wollen wir das unterstützen? Oder wollen wir konsequent sein? Das ist ein Spannungsfeld, in dem wir uns bewegen« (Interview E.). Die jeweiligen, individuellen Spannungsfelder werden teils im Team und mit Kunden diskutiert sowie nach Alternativen recherchiert. Schließlich versuchen die Experten mit kleinen Schritten die Lebensmittelkette und das -system nachhaltiger zu gestalten: »Ich denke, eine nachhaltige Ernährung gibt es nicht, weil zu leben Ressourcen verbraucht. Aber wir können es nachhaltiger gestalten« (Interview E.).

Neben den genannten Zielkonflikten stoßen die Experten auch auf politische, juristische oder individuelle Herausforderungen. Bei Lebensmitteln sehen sie sich mit Fragen der Hygiene und der Lebensmittelverordnung konfrontiert, wie beim Verzicht von Verpackungen und bei der Haltbarkeit von Produkten oder eingeschränkten Möglichkeiten aufgrund der strengen Lebensmittelkontrollen. Bei Bauvorhaben müssen sie administrativ aufwendige Gesuche einreichen. Eine weitere Herausforderung sind hohe Mietkosten bei Ladenflächen in der Innenstadt oder fehlende Möglichkeiten zur langfristigen Nutzung öffentlicher Flächen zum Anbau von Gemüse. Teilweise sind die Initiativen von Fremdfinanzierungen, wie beispielsweise Stiftungen, abhängig. Hier sehen die Experten die Politik in der Verantwortung, indem diese die Ernährungsinitiativen unterstützt und zeitgleich soziale sowie Abfall- und Entsorgungskosten einspart. Die Experten schätzen einerseits die Bemühungen der Stadt bspw. mithilfe der »KULINATA « die Ernährungsinitiativen stärker zu vernetzen, befürchten andererseits dahinter aber einen kurzlebigen Trend. Diesbezüglich ist die Breitenwirksamkeit der Berner Ernährungsinitiativen eine der größten Herausforderungen und damit die Frage, wie sie aus der Nische heraustreten können. Ein Experte sieht sich dabei als »Multiplikator von der Lust« und möchte vermitteln, dass »nachhaltig (zu) leben nicht heißt, auf alles zu verzichten« (Interview S.).

4. Diskussion und Ausblick

Ernährungsinitiativen in Bern, die mit einem umweltfreundlichen Lebensmittelangebot und einem sozialen Engagement einen Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung leisten wollen, beeinflussen die Strukturen in Bern durch ihr Handeln als Nische. Dabei stellen sie ein alternatives Angebot bereit und üben Druck auf Politik und Verwaltung sowie auf Supermärkte aus.

Gemäß der Mehr-Ebenen-Perspektive können sich geltende Regime transformieren, indem Nachhaltigkeitsinnovationen breitenwirksam werden. Die Initiativen können ebenfalls Governance-Strategien von Politik und Verwaltung beeinflussen. So entstand u.a. die KULINATA, die eine nachhaltige Ernährung in Bern fördern soll. Eine ganzheitlich strukturierte Vernetzung, um Symbiosen zu nutzen oder gemeinsam Lobbyarbeit zu leisten, oder ein Ernährungsforum, wie in Zürich, ist derzeit in Bern nicht vorhanden. Dennoch ist ein partizipativer Aufbau eines solchen Netzwerkes, unter Einbezug aller relevanten Akteure, durch das Amt für Umweltschutz der Stadt Bern geplant. Andererseits wurde in den geführten qualitativen Interviews mit ausgewählten Ernährungsinitiativen kritisiert, dass diese in ihrer Blase verweilen und zu wenig Einfluss auf die Sensibilisierung einer breiteren Stadtbevölkerung haben. Demzufolge interessieren sich nicht alle Konsumierenden für eine nachhaltige Ernährung und der Einfluss der Nischen auf die Veränderung von Lebensstilen ist schwer abzuschätzen. Gerade in der Ernährung zeigt sich in Städten die soziale Ungleichheit, wenn gesunde und nachhaltige Lebensmittel nicht gleichermaßen für alle zugänglich sind, wie beispielsweise in sogenannten Lebensmittelwüsten. Dies sind Stadtquartiere, in denen u.a. sozial schwache Familien ohne unmittelbaren Zugang zu frischen Lebensmitteln leben. Da in Lebensmittelwüsten zwar kaum Supermärkte, aber dennoch Fast-Food-Ketten zu finden sind, ernähren sich die Quartiersbewohner oftmals von fettigen und zuckerhaltigen Speisen, was wiederum mit einem erhöhten Adipositas-Risiko und dadurch gesundheitlichen Problemen (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen) einhergeht. Die Problematik ungleicher Lebensmittelversorgung verschärft sich, wenn in anderen Handlungsfeldern, wie beim Wohnen, die Kosten bei gleichbleibendem Einkommen steigen und somit prozentual weniger vom Haushaltseinkommen für Lebensmittel verfügbar ist bzw. teils aufgrund sozial prekärer Situationen auch weniger ausgegeben werden muss.

Verschiedene Ernährungsinitiativen teilen das finanzielle Risiko, indem städtische Konsumierende bei Anbau und Ernte miteinbezogen werden (Solidarische Vertragslandwirtschaft). So bekommen Lebensmittel außerdem einen höheren Stellenwert, indem die Produktion als wertvolles Handwerk anerkannt wird. Dies beansprucht allerdings Zeit und ein verändertes gesellschaftliches Verständnis von Arbeit sowie neue Arbeitszeit- und Familienmodelle. Zentral ist zusätzlich vor allem die Reduktion von Food Waste entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette, um eine Stadtbevölkerung regional versorgen zu können. Hier können sich u.a. Restaurants aktiv beteiligen, indem kleinere Portionen mit Nachschlag angeboten oder Mehrwegverpackungen für Lebensmittelreste zur Verfügung gestellt werden. Dies setzt ein verändertes gesellschaftliches Verständnis voraus, das u.a. durch Bildung erreicht werden kann. Insofern implizieren die Resultate der Interviews, dass die Politik gefragt sein wird, indem sie Aufklärungsarbeit leistet und frühzeitig in Schulen und Kindergärten auf die Problematik, z.B. durch einen eigenen Gemüsegarten oder ein regionales Lebensmittelangebot in Schulkantinen, hinweist und so sensibilisiert. Bei den geführten Diskussionen sollte, unseres Erachtens, jedoch beim Essen der Genuss im Vordergrund stehen, um die Lebensmittel wertzuschätzen. Dies würde u.a. bedeuten, sich gemeinsam mit Freunden und Familie Zeit fürs Kochen und Essen zu nehmen. Nichtsdestotrotz sind Essgewohnheiten, wie der in der Schweiz zu hohe Fleischkonsum, kulturell verankert und eine Reduktion diesbezüglich scheint schwer umsetzbar. Für eine Postwachstumsstadt müssten jedoch auf politischer Ebene Suffizienz-Strategien entwickelt werden, wie bspw. ein Konsumkorridor mit einer Ober- und Untergrenze, der den Konsum zwar reguliert, dennoch aber auch ein gutes Leben verspricht (Di Giulio & Fuchs, 2014). Eine Korridorobergrenze für ein urbanes, nachhaltiges Ernährungssystem könnte beispielsweise auf Ebene der Lebensmittelverschwendung erreicht werden, indem Lebensmittel, die aufgrund ihrer Form und Größe nicht der Norm entsprechen, ebenfalls im Detailhandel angeboten werden müssen und nicht aussortiert werden. Weiterhin könnten die Gebühren für die Abfallentsorgung von Lebensmitteln in Privathaushalten, Restaurants und der Gemeinschaftsgastronomie erhöht werden. Eine Untergrenze innerhalb des Korridors wäre beispielsweise der chancengleiche Zugang zu nachhaltig produzierten Lebensmitteln für die gesamte Stadtbevölkerung. Dies könnte beispielsweise durch gestaffelte Lebensmittelpreise, orientiert nach dem jeweiligen Haushaltseinkommen, wie es auch die interviewten Experten genannt haben, erreicht werden.

Schließlich benötigt es gemäß dem International Panel of Experts on Sustainable Food Systems (IPES-Food) (2015) eine transdisziplinäre und ganzheitliche Forschung, um einen Wandel hin zu einem nachhaltigen Ernährungssystem voranzutreiben. Dabei sei es wichtig, Ernährungssysteme als ein Netz aus komplexen Interaktionen involvierter Akteure, Machtverhältnissen und politischen Rahmenbedingungen zu begreifen (Debru & Brand, 2017; IPES-Food, 2015). Folglich haben für ein nachhaltiges Ernährungssystem neben Politik, Verwaltung oder Unternehmen, auch wissenschaftliche Institutionen eine Verantwortung. Die partizipative Aktionsforschung bezieht diesbezüglich alle genannten Akteure mit ein, welche zu Ko-Forschern werden. Dadurch wird es den Forschenden ermöglicht, vertieft in die Lebenswelten der städtischen Akteure einzutauchen. Aufbauend auf diesen ersten Erkenntnissen der Vorstudie ist ein partizipatives Forschungsprojekt mit den Ernährungsinitiativen und politischen Ämtern der Stadt Bern geplant. In Bern könnten so gemeinsam praxisrelevante Forschungsfragen mit den jeweiligen Akteuren entwickelt und das geplante, partizipativ aufgebaute Netzwerk, über die KULINATA hinaus, begleitend erforscht werden. Auch Spannungen, die sich aufgrund unterschiedlicher Ansprüche, Interessen und Machtstrukturen ergeben, würden so im Forschungsprozess analysiert. Weitere Herausforderungen könnten, unter Einbezug der Akteure, ermittelt und innovative Lösungsansätze entwickelt werden. Solche Lösungsansätze könnten verstärkt Akzeptanz finden, indem auf verschiedene Ansprüche und regionale, kulturell geprägte Besonderheiten Bezug genommen wird. Zudem könnte ein partizipativer Ansatz einerseits sowohl das Verständnis der Stadtpolitik zu sozialen und ökologischen Herausforderungen sowie einer demokratischen Teilhabe verändern und andererseits Bottom-up-Initiativen helfen, aus der Nische herauszutreten und das geltende Regime mitzugestalten, um eine sozial-ökologische Transformation der Gesellschaft mit zu bewirken.

Neben dem Eintauchen in unterschiedliche Lebenswelten und Ansprüche benötigt es in der partizipativen Forschung aber auch eine kritische Reflektion gegenüber sich selbst und des eigenen Forschungsprozesses, um Objektivität bewahren zu können. Diesbezüglich erachten wir ebenfalls eine Koordination unter regionalen, aber auch überregionalen Forschungsinstituten als ebenso wichtig wie der Dialog mit wissenschaftlichen, politischen oder zivilgesellschaftlichen Akteuren anderer Städte, um voneinander zu lernen und sich auszutauschen. Die Herausforderung städtischer Ernährungssysteme sind nur gemeinsam zu meistern, um sie, gemäß dem Nachhaltigkeitsziel 11 der Vereinten Nationen »Nachhaltige Städte und Siedlungen«, resilient und nachhaltig gestalten zu können (UN, 2019). 

 

Anmerkungen

1 Dieser Beitrag basiert auf dem Workshop zu »Bewegungen – Stadtpolitik transformieren« der Postwachstumsstadt-Konferenz, welche an der Bauhaus-Universität Weimar im Mai 2019 stattgefunden hat. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Diskussion mit ein.

2 Gerne möchten sich die Autorinnen beim Amt für Umweltschutz der Stadt Bern (insbesondere bei Lea Eugster) und #bärenhunger für die fachliche Unterstützung und für das Gegenlesen des Manuskripts bedanken. Zudem bedanken wir uns bei Frank Eckardt, Anton Brokow-Loga und ihrem Team für die Organisation und Durchführung der Postwachstumsstadt-Konferenz sowie der Möglichkeit hiermit unsere ersten Ergebnisse zu publizieren und somit Teil dieses Buches zu sein.

3 Im vorliegenden Buchabschnitt verwenden wir aufgrund einer besseren Lesbarkeit die männliche Form. Diese bezieht sich jedoch auf alle Geschlechter.

4 Gemäß dem Schweizer Bundesamt für Statistik (BFS) (2019) werden in der Schweiz 2,8-mal mehr Umweltleistungen und -ressourcen konsumiert als global pro Person (1,6 globale Hektar, gha) verfügbar sind. Die Schweizer Bevölkerunglebt dementsprechend nicht nachhaltig, sondern auf Kosten anderer Erdteile und zukünftiger Generationen. Beinahe drei Erden wären nötig, würden alle wie die Schweizer Bevölkerung leben.

5 Die Interviewpartner sind Experten, da sie über spezifische Kenntnisse verfügen und wir ihre Lebenswelten erforschen (Gläser & Laudel, 2010).  Literatur: Amt für Landwirtschaft und Natur (2019a): Für eine wettbewerbsfähige, ökologische Landwirtschaft. [www.vol.be.ch/vol/de/index/landwirtschaft/landwirtschaft.html, abgerufen am 30.08.2019]

 

Literatur

Amt für Landwirtschaft und Natur (2019b): Statistik. Die Berner Landwirtschaft in Zahlen 2014-2018. [www.vol.be.ch/vol/de/index/landwirtschaft/landwirtschaft/statistik.html, abgerufen am 30.08.2019]

Amt für Umweltschutz (2019a): Berner Platte 2.0. [www.bern.ch/themen/umwelt-naturund- energie/nachhaltigkeit/berner-platte-2.0, abgerufen am 30.08.2019]

Amt für Umweltschutz (2019b): KULINATA - Das Fest der Sinne. [www.kulinata.ch, abgerufen am 30.08.2019]

#bärenhunger (2019): Foodstadt Bern. [www.baerenhunger.ch, abgerufen am 30.08.2019]

Barlösius, E. (2011): Soziologie des Essens. Eine sozial- und kulturwissenschaftliche Einführung in die Ernährungsforschung. 2. Auflage. Weinheim, München: Juventa.

Bergold, J., & Thomas, S. (2012): Partizipative Forschungsmethoden: Ein methodischer Ansatz in Bewegung. Forum: Qualitative Social Research. Volume 13, No. 1, Art. 30.

Bosshardt, S. et al. (12/2015): OGG Bulletin. Von Mitteilungsblatt der Oekonomischen und Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Bern. [www.ogg.ch/fileadmin/user_upload/archiv_bulletins/bulletin_2015_4.pdf, abgerufen am 30.08.2019]

Bourdieu, P. (1987): Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Brand, C. et al. (2017): Designing Urban Food Policies - Concepts and Approaches. Cham: Springer. Bundesamt für Statistik (BFS) (2019): Der ökologische Fussabdruck der Schweiz.

Bundesamt für Statistik. [https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/nachhaltige-entwicklung/ weitere-indikatoren-achhaltige-entwicklung/oekologischer-fussabdruck.html, abgerufen am 08.11.2019]

Chevalier, J. M., & Buckles, D. J. (2019): Participatory Action Research - Theory and Methods for Engaged Inquiry. London: Routledge.

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Di Giulio, A., & Fuchs, D. (07/2014): Sustainable Consumption Corridors: Concept, Objections, and Responses. In: GAIA - Ecological Perspectives for Science and Society, Volume 23, Supplement 1. S. 184-192.

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Dieser Artikel ist zuerst hier erschienen:

Markoni, E. und Götze, F. (2020) Anspruch und Wirklichkeit bei der Umsetzung eines nachhaltigen städtischen Ernährungssystems eine empirische Vorstudie der Berner Ernährungsinitiativen. In: Brokow-Loga, A., & Eckardt, F. (Hrsg.). Postwachstumsstadt: Konturen einer solidarischen Stadtpolitik. oekom Verlag.

Das Buch "Postwachstumsstadt: Konturen einer solidarischen Stadtpolitik" ist unter Open Access Lizenz erschienen und kann online heruntergeladen werden. Mehr dazu hier: https://www.oekom.de/buch/postwachstumsstadt-9783962381998?p=1

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