Phosphordünger in der industriellen Landwirtschaft
Richten wir unseren Fokus auf Phosphordünger: Dieser wird in der industrialisierten Landwirtschaft zum Flaschenhals. Phosphor ist der entscheidende Nährstoff für die Blüten- und Fruchtbildung. Unsere Böden speichern nur kleine Mengen, die mit jeder Ernte abgetragen werden. Dieser Phosphor gelangt zu einem großen Teil nicht zurück auf das Feld, sondern mit unserem Abwasser in die Weltmeere. Deswegen wird in Europa bereits seit weit über 100 Jahren Phosphordünger eingesetzt. Ab 1840 begann der Guano-Boom (1) – Tierdünger wurde aus Peru nach Europa gebracht, um die heimische Landwirtschaft zu beflügeln. Die langsam gewachsenen Vorkommen verknappten sich, Phosphatgestein wird erstmals 1889 in Florida kommerziell abgebaut (2). Derzeit gehen 80 % der weltweiten Vorkommen auf vier Länder zurück.
Die tierisch entstandenen und als Gestein vorliegenden Phosphorvorräte werden sich erschöpfen – ein Umdenken hat bereits eingesetzt. Auch in Deutschland wird an der Phosphorrückgewinnung aus Abwasser gearbeitet. Bereits ab 2029 greift eine Verpflichtung zur Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm, größere Testanlagen arbeiten bereits. (3) Landwirte / Landwirtinnen können künftig nicht mehr nur Klärschlamm, sondern auch Phosphordünger aus regionaler Erzeugung beziehen.
Phosphor ist sozusagen ein flüchtiger Nährstoff, an dessen Beispiel sich die Problematik veranschaulicht: Die industrialisierte Landwirtschaft gleicht regionale Überschüsse und Defizite durch den Transport aus. Eine Anpassung der Produktion an den regionalen Verbrauch würde einen geschlossenen Nährstoffkreislauf erleichtern – und damit langfristig bessere Ernteergebnisse ermöglichen.
Weitere Beispiele für den dezentralen Nährstoffkreislauf
Tierdung: Die Verwendung von Gülle, dem flüssigen tierischen Abfall, wird häufig kritisiert, da sie in das Grundwasser versickert. Mist wäre der bessere Naturdünger. Dieser baut zugleich die Humusschicht auf, wird weniger schnell durch Regenschauer in die Gewässer ausgewaschen und ermöglicht als Einstreu mehr Wohlbefinden für unsere Nutztiere.
Damit es genug Einstreu aus der Region gibt, wäre eine dezentrale Viehhaltung mit tendenziell kleineren Beständen notwendig. Verteilt sich der Tierdung besser auf die Gesamtfläche, würde dies zugleich unser Grundwasser schützen. Ein regionales Übermaß an Gülle – wie es beispielsweise in Niedersachsen vorkommt – führt langfristig zu einem erhöhten Nitratwert im Grundwasser (4). Zu viel Nitrat im Trinkwasser wird als krebserregend eingestuft.
Tierdung sollte nie frisch ausgebracht werden Er muss reifen, damit seine Nährstoffe für die Pflanzenwurzeln milder sind. Richtiger Mist muss 18 bis 24 Monate reifen und während der frühen Phasen auf der überdachten Mistplatte regelmäßig umgeschichtet werden. In der späteren Phase sollte der Mist auf dem Ackerboden in Mieten ruhen, die mit einer Plane gegen Regenfälle gesichert werden. Wie von alleine werden Kompostwürmer die Mistmieten besiedeln. Diese Kompostwürmer leisten einen sehr wichtigen Beitrag zur Umwandlung von Mist (oder von Biomüll in Wurmkisten) in Humusdünger. (5) Erst dann, wenn die Kompostwürmer die Mistmieten verlassen, ist das volle Potenzial erreicht. (6)
Hühnermist, der sehr viel Phosphor enthält, ist viel zu scharf für die Pflanzenwurzeln. Purer Hühnermist wäre für diese Veredelung auf der Mistplatte ungeeignet. Während Pferdemist sich auch pur in einen hochwertigen Humusdünger verwandeln lässt, ist für einige Tierarten wie Geflügel ein Gemisch mit der richtigen Einstreu die Erfolgsvoraussetzung. Hobelspäne eignen sich nur in kleinen Mengen, Stroh ist für die Kompostierung die bessere Wahl.
Diese gezielte Veredelung des eigenen Mists ist selbst für kleinere Landwirte / Landwirtinnen umsetzbar. Meistens werden aus Bequemlichkeit die letzten Reifephasen übersprungen – der kostenlos anfallende Mist wird dadurch etwas entwertet.
Wer als Landwirt / Landwirtin hingegen eine Biogasanlage betreibt, kann diese am effektivsten mit frischem Mist füttern. Für die Bakterien in der Biogasanlage ist frischer Mist besser als Mais-Silage. Die Subventionen für Biogasanlagen haben einzelne Regionen in Monokulturen für Mais verwandelt – ein Umstand, der dem Ziel nachhaltiger Landwirtschaft widerspricht. Zumindest „verdaut“ die Biogasanlage den frischen Mist. Die Reste eignen sich weiterhin als Naturdünger für die Ackerflächen.
Gewässerschutz durch Energiewälder
Wer den Nährstoffkreislauf schließen möchte, muss zugleich darauf achten, dass seine Nährstoffe dort wirken, wo sie sollen. Ein Auswaschen in Gewässer ist bereits aus Gründen des Gewässerschutzes unerwünscht. Es gelten in Deutschland deswegen komplizierte Einschränkungen für Stickstoff und Phosphor, die in der Düngeverordnung (DüV § 13a) geregelt werden. Eine weitere Maßnahme zum Gewässerschutz sind bepflanzte Randstreifen, die Pflanzen saugen die Nährstoffe ab.
Viele haben es gewiss schon gesehen, wie Feldhecken vor Ort “weggehäckselt” werden. Ein paar Arbeiter / Arbeiterinnen sägen die ganze Hecke weg und schieben die Äste in einen mobilen Häcksler. Dieser wirft die Hackschnitzel auf einen Hänger. Von der Hecke bleiben nur die Stümpfe und einige Bäume. Damit treibt die Hecke neu aus und kann wenige Jahre später wieder gehäckselt werden. Diese Hecken stehen häufig zwischen Feldern und Gräben. Sie ziehen in diesen Randstreifen Nährstoffe aus dem Boden, die deswegen nicht mehr im Graben landen.
Es gibt Alternativen zu dieser arbeitsintensiven Methode: Pappeln oder Weiden ziehen große Mengen Stickstoff aus dem Boden, wachsen sehr schnell und lassen sich leicht vermehren. Dazu werden frisch geschnittene Ruten bei passender Wetterlage tief in eine Furche gesteckt, die anschließend wieder geschlossen wird. Es gibt bereits halbmaschinelle Möglichkeiten, um die Ruten in Reihen in die Erde zu stecken. Die frischen Ruten treiben aus und wachsen vier bis sieben Jahre heran. Anschließend werden sie mit einem umgebauten Maishäcksler wie Mais gehäckselt.
Wer als Landwirt / Landwirtin eine Fläche am Gewässer sein Eigen nennt und ohnehin nicht richtig bis an das Gewässer düngen darf, könnte hier einen Streifen Energiewald in den Boden stecken. Dieser Energiewald zieht die Nährstoffe aus dem Boden, die damit nicht in das Gewässer gelangen. Auch Flächen, die mit Nitraten übersättigt sind, eignen sich für Energiewälder.
Eine andere Möglichkeit sind Agroforstsysteme. Hier wechseln sich Baumstreifen und Ackerland ab, bei intelligenter Planung entstehen Synergieeffekte. Wer Kulturpflanzen mit hohem Stickstoffbedarf pflegt, kann ordentlich düngen, solange die Pappel- und Weidenhölzer die überschüssigen Nährstoffe aus dem Boden ziehen. Diese Hölzer sind in den ersten Jahren nicht so hoch, dass sie weite Schatten werfen.
Neben dem Agroforstsystem mit Ackerstreifen sind auch Agroforstsysteme mit Weidestreifen denkbar. Das Weidevieh hat eine Futterweide, findet Schatten und düngt den Energiewald. Es gibt auch reine Energiewälder ohne Weidestreifen, die als Hühnerauslauf dienen. (7) Von Natur aus sind Hühner die Bewohner lichter Wälder, die offene Flächen meiden.
Stichwort Gründünger
Geht es um Stickstoff, dann werden uns Leguminosen, auch als Hülsenfrüchtler bekannt, zur großen Hilfe. Leguminosen gehen mit den Wurzeln eine Symbiose mit Knöllchenbakterien ein. Dadurch gelingt es, Stickstoff aus der Luft zu binden und im Boden einzulagern.
Klassische Leguminosen sind Klee, Raps, Bohnen oder auch Soja. Diese Kulturpflanzen dürfen häufig ausreifen, Klee wird als Viehfutter verwendet. Einige Leguminosen werden hingegen nicht geerntet, sondern als Gründünger untergearbeitet. Es geht nicht allein um die Anreicherung des Bodens mit Stickstoff. Nackter Ackerboden ist für Erosion anfälliger. Auch für das Bodenleben ist es besser, wenn nach der Ernte die neue Aussaat schnell folgt. Der Fruchtwechsel mit Leguminosen oder die Aussaat von Gründünger werden für die bessere Stickstoffversorgung zu wichtigen Strategien in der Landwirtschaft. Demnach kann selbst die gezielte Aussaat von Klee in gemähten Wiesen mit Glück dazu führen, dass der Klee sich hält und die Wiesengräser mit Stickstoff versorgt.
Übersichtlicher Mehraufwand mit großem Unterschied
Kunstdünger ist auch eine Frage der Bequemlichkeit. Die Veredelung von Gülle und Mist oder die Rückgewinnung von Phosphor aus dem Abwasser sind ein Mehraufwand. Diese Arbeitsschritte gelingen jedoch in der eigenen Region und zahlen sich auf lange Sicht aus. Wir schonen durch überlegtes Düngen unsere Gewässer, unser Grundwasser, unsere Böden und erhalten alles für unsere Zukunft. Vieles können Landwirte / Landwirtinnen in Eigenregie, aber nicht alles. Gesetzliche Vorgaben und Fördermittel würden die regionale ökologische Landwirtschaft beflügeln.
Quellen
(3) https://www.fona.de/de/phosphor-recycling-aus-abwasser
(4) https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/landnutzung/landwirtschaft/umweltschutz/22854.html
(5) https://www.familiengarten-tipps.de/einrichtung/kompost/wurmkiste/wuermer-wurmkiste/
(6) https://www.pferdemistkompost.de/volumenreduzierung.html

