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So wichtig ist Ernährungswandel im „Klimaplan von unten“

Am 03.03. wurde die erste Fassung des „Klimaplans von unten“ der Kampagne Gerechte1Komma5 auf der Seite klimaplanvonunten.de veröffentlicht. Die Beteiligten haben kein geringeres Anliegen, als aufzuzeigen, welche Maßnahmen auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens nötig sind, um das Ziel des Pariser Klimavertrags einzuhalten. Der Anspruch der Initiator*innen besteht vor allem darin, „die Erderwärmung sozial und global gerecht auf 1,5° C zu begrenzen“. Besonders sind dabei die Perspektiven betroffener Personen, etwa aus dem globalen Süden, zu berücksichtigen.

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Klimawandel/-schutz
Übergreifend
Menschen auf Bänken auf einer Wiese, Zelte im Hintergrund

Auf dem we4future-Camp, © Cornelius Reitmayr

Die entstandenen Maßnahmen wurden online und während verschiedener Schreibwerkstätten in einem offenen und basisdemokratischen Prozess zusammengetragen und verhandelt und sollen auch weiterhin zur Diskussion stehen. Maßnahmen finden sich im Klimaplan von unten bereits jetzt zahlreich. Insbesondere die Bereiche gerechte Landwirtschaft, Ernährungssouveränität und Waldnutzung (48 Maßnahmen), gerechte Reproduktion, Produktion und Konsumtion (53 Maßnahmen) und gerechte Wohn- und Raumplanung (41 Maßnahmenvorschläge) riefen bei den Gestaltenden umfassende Forderungen hervor. Des Weiteren werden Mobilitätsgerechtigkeit, Energiedemokratie sowie globale Gerechtigkeit und Intersektionalität als Oberkapitel für Maßnahmen vorgeschlagen.        

Ernährungswandel als multifaktorielle Klimaschutzmaßnahme

Dass die Zeit drängt, bekamen im vergangenen Sommer insbesondere die Landwirt*innen zu spüren. Dementsprechend liegt im Klimaplan von unten der Fokus auf kleinteiligen Ackerstrukturen, Gewässerschutz und nachhaltiger Landbewirtschaftung mit lokaler, klimaangepasster Saatgutproduktion. Unter anderem werden, analog zur aktuellen Braunkohlepolitik, Strukturwandelprogramme für bislang von der Tierindustrie dominierte Regionen und das Verbot aller Futtermittelimporte vorgeschlagen.      

Aber auch eine Veränderung von Konsummustern und Lieferketten wird mit Vorschlägen wie solidarischen Finanzierungssystemen (ähnlich dem Konzept der SoLaWis) und der Förderung nicht-kommerzieller, lokaler Verteilstrukturen thematisiert. Für die Förderung von kollektiven Verwaltungsstrukturen werden im Klimaplan von unten Public-Common Partnerships angeregt – also eine vom Gewinn- und Wachstumsdenken entkoppelte langfristige Zusammenarbeit zwischen genossenschaftlich organisierten Commons, wie z.B. dem Mietshäusersyndikat, Bürgerenergiegenossenschaften oder genossenschaftlich organisierten Nahrungsmittelproduzent*innen und staatlichen Institutionen. Parallel wird eine Gemeinwohlbilanz für Unternehmen und das Verbot von Lebensmittelvernichtung gefordert.

Hochwertige, langlebige und nachhaltig produzierte Produkte wie auch Lebensmittel sind meist teurer und nicht für alle erschwinglich – im Klimaplan wird dieses Problem unter anderem durch ein Ende der Steuerabzugsfähigkeit von Werbeausgaben und damit freiwerdenden finanziellen Ressourcen behoben.

Der anhaltenden Landflucht und dem damit begünstigten Ausverkauf von Agrarstrukturen könnte laut den Autor*innen unter anderem durch die in Österreich bereits umgesetzte Idee der „Green Care“ entgegengewirkt werden. Das Modell sieht vor, ökologisch wirtschaftende Betriebe verstärkt mit sozialen Aufgabenbereichen zu koppeln. So kann einerseits bei Kindern der Umweltbezug gestärkt werden, aber auch die häufig anonymen Strukturen der Kranken- und Altenpflege ließen sich dadurch  verändern. In ländlichen Regionen kann es damit gelingen, neue Zukunftsperspektiven zu entwickeln.    

Konstruktive Ideen brauchen Reichweite – und Gestalter*innen

Am Schreibprozess haben sich bereits zahlreiche Autor*innen, darunter viele Aktivist*innen der Klimabewegung, beteiligt. Der Wunsch der Initiator*innen ist es jetzt, eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Die erste Auflage des Plans habe laut einem veröffentlichten YouTube-Video noch „starken Baustellencharakter“ und noch nicht alle nötigen Maßnahmen seien darin erfasst. Umso mehr werden jetzt Menschen gesucht, die zusätzliche Perspektiven einbringen. Um die nächste Auflage noch umfassender zu machen und der komplexen Problematik gerecht zu werden, ruft die Kampagne dazu auf, das Gemeinschaftsprojekt mitzugestalten. Im Anschluss an die Maßnahmenerarbeitung werden Feedbacks zu den Vorschlägen parallel von Wissenschaftler*innen von Scientists for Future sowie von Betroffenen aus dem globalen Süden eingeholt.

 

Hier können alle Details eingesehen werden:     

https://klimaplanvonunten.de/de/ & https://gerechte1komma5.de/

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