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Wasserschutzbrot

Grundwasser ist die Quelle für unser Trinkwasser, daher muss es besonders geschützt werden. Vor allem in Franken ist die Priorität dieses Schutzes in vielen Regionen deutlich messbar. Nicht nur durch Trockenheit bedingte sinkende Grundwasserpegel machen die regionale Trinkwasserversorgung zum Problemfeld, sondern auch die geringe Auflage an Oberboden, da hierdurch schneller Nitrat ins Grundwasser verlagert werden kann. An diesem Punkt hat die Initiative „Wasserschutzbrot“ vor mittlerweile 5 Jahren angesetzt. In der Regel bringen Landwirte beim Anbau von Getreide Stickstoffdünger in mehreren Gaben aus. Durch das Projekt bringen die teilnehmenden Landwirte weniger Stickstoffdünger aus, indem sie die letzte Düngergabe, die sogenannte „Qualitätsdüngung“, schlicht weglassen. Vor allem diese erhöht den Proteingehalt im Korn, welcher wiederum als gängiger Maßstab für die Backqualität des Weizens steht. Im Boden wird der Stickstoff zu Nitrat umgewandelt, welches über das Grundwasser in die Trinkwasserbrunnen gelangen kann. Durch die natürlichen Witterungsbedingungen zum Zeitpunkt der letzten Düngung sind besonders diese letzten Düngegaben gefährdet, Nitrat ins Grundwasser zu verlagern. Somit verringern die Wasserschutz-Landwirte das Risiko der Nitrat-Auswaschung in das Grundwasser: Es ist ohne teure Aufbereitung als Trinkwasser für die Region nutzbar. 

Logo Wasserschutzbrot, Blaues W auf blauem Grund, eingefasst in hellbraunen Kreis mit Schriftzug

Logo der Initiative Wasserschutzbrot, © Regierung von Unterfranken

Wer, was und wann

Die Initiative besteht seit 2014. Mitwirkende sind die Regierungen von Unterfranken, Mittelfranken und Oberfranken. Zudem sind das Forschungsinstitut für biologischen Landbau, FiBL Deutschland e.V. und NKOMM, Agentur für Nachhaltigkeitskommunikation UG am Projekt beteiligt. Zu den Projektpartnern zählen 2019 außerdem 32 Landwirte, 6 Mühlen, 26 Bäckereien mit über 100 Filialen und 9 Wasserversorger. Eine Übersicht über alle Akteure ist auf der Website www.wasserschutzbrot.de zu finden.

Hintergrund und Ziele

Die Initiative „Wasserschutzbrot“ (www.wasserschutzbrot.de) ist Teil der Aktion Grundwasserschutz der Regierungen von Unter-, Ober- und Mittelfranken. Das Prinzip ist einfach: Landwirte verzichten beim Anbau von Qualitätsweizen im Trinkwassereinzugsgebiet auf die Stickstoff-Spätdüngung. So verringert sich die Gefahr der Auswaschung ins Grundwasser. Mühlen aus der Region vermahlen den „Wasserschutz-Weizen“ zu „Wasserschutz-Mehl“. Familiengeführte, handwerkliche Bäckereien backen daraus „Wasserschutzbrot“ und andere Backwaren aus Wasserschutz-Weizen. Der Kunde schützt durch seinen Kauf die Ressourcen, erhöht die Wertschöpfung in der Region und trägt zu einer nachhaltigen Regionalentwicklung bei. Gestartet wurde das „Wasserschutzbrot“ in 2014 mit einem Landwirt, einem Müller und einem Bäcker. 2019 bauen bereits 32 Landwirte in 9 Wasserschutzgebieten auf rund 300 Hektar „Wasserschutz-Weizen“ an. Er wird in 6 Mühlen verarbeitet und in 26 Bäckereien mit über 100 Verkaufsstellen zu Brot und anderen Backwaren gebacken. Das Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) setzt das Projekt im Auftrag der Regierung von Unterfranken um.

Die Initiative "Wasserschutzbrot" zeigt erfolgreich auf, dass durch den Anbau geeigneter Weizensorten die Backweizenerzeugung und -verarbeitung auch mit verringertem Stickstoffeinsatz möglich ist. Denn entscheidend ist nicht die Menge des Eiweißes im Korn sondern die Qualität. Und die wiederum ist sortenabhängig. Das bisherige Bewertungssystem „hoher Eiweißgehalt – gute Backeigenschaft – hoher Marktpreis“ muss zu Gunsten des Grundwasserschutzes kritisch hinterfragt werden.

Zudem zeigt die Initiative „Wasserschutzbrot“ wie man den Erhalt regionaler Wirtschaftskreisläufe mit Grundwasserschutz verbinden kann. Neue und stabile Partnerschaften zwischen Politik, Wasserversorgern, Landwirten, Müllern und Bäckern sind ein wichtiges Ergebnis des Projektes und somit auch Vorbild für andere Regionen.

Viele Grundwasserschutz-Projekte sind für den Endverbraucher schwer greifbar. Anders das „Wasserschutzbrot“: Durch die bewusste Kaufentscheidung in einer „Wasserschutz-Bäckerei“ trägt der Kunde direkt zum Trinkwasserschutz bei und erhält gleichzeitig ein regionales Produkt, dessen Herkunft transparent bis zum Acker dargestellt werden kann. Alle Akteure im Projekt zeigen Gesicht, zum Beispiel auf der Website www.wasserschutzbrot.de.

Die Initiative "Wasserschutzbrot" wird mittlerweile überregional wahrgenommen und versteht sich als Botschafter für den Zusammenhang zwischen Konsum und Grundwasserschutz.  Dass die Thematik nicht nur in Franken bewegt, zeigt die Nominierung für die Top 3 des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Forschung 2018, verliehen durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung, sowie die Auszeichnung mit dem BWK Umweltpreis des Landesverbandes NRW 2018.

Austausch und Unterstützung

Die Initiative „Wasserschutzbrot“ gibt Ihre Erfahrungen aus 5 Jahren Projektarbeit gerne an Interessierte weiter. Ziel ist, die Idee auch außerhalb der Region Franken zu verbreiten und Nachahmer im Sinne des Grundwasserschutzes zu finden.

Kontakt

Organisation: Initiative „Wasserschutzbrot“ im Rahmen der Aktion Grundwasserschutz

Ansprechperson/Projektmanagement: Nicole Nefzger, FiBL Deutschland e.V., nicole.nefzger(at)fibl.org

Projektleitung: Christian Guschker, Regierung von Unterfranken, christian.guschker(at)reg-ufr.bayern.de

Website: www.wasserschutzbrot.de

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