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Bodengenossenschaften/-stiftungen

Steckbrief des Projekts "Sozial-ökologische Transformation des Ernährungssystems"

Bodengenossenschaften und zum Teil auch Stiftungen stellen Landwirten und Landwirtinnen Land zur Verfügung, welches diese nach festgelegten Kriterien bewirtschaften.[1] Während Genossenschaften Geld aus den Anteilen ihrer Mitglieder zum Landkauf nutzen, erhalten Stiftungen Land durch Schenkungen oder finanzieren es aus Spendengeldern.

Ziel und Innovation

Die Preise für Ackerland in Deutschland sind in den letzten Jahren stark gestiegen, unter anderem deshalb, weil Land zunehmend zum Spekulationsobjekt für außerlandwirtschaftliche Investoren wird. So haben sich die Preise zwischen 2007 und 2015 in Deutschland im Schnitt um knapp 113 % erhöht, in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern haben sie sich in diesem Zeitraum sogar vervierfacht. Für Junglandwirte ist es daher sehr schwer geworden, einen Hof neu zu gründen, und auch etablierte Betriebe haben Schwierigkeiten, zusätzliche Flächen zu erwerben.[2]

Bodengenossenschaften und Stiftungen entziehen dem Markt Land und stellen es Landwirten und Landwirtinnen langfristig zur Verfügung. Somit wird Bodenspekulation vermieden, kleinstrukturelle Landwirtschaft erhalten und gefördert, Jungbauern unterstützt und Land für eine nachhaltige Bewirtschaftung sichergestellt.[3] Innovativ ist dabei, dass Landwirte und Landwirtinnen abseits des Markts Zugang zu Land erhalten, und dass die Einhaltung von Kriterien für eine nachhaltige Bewirtschaftung (meist ökologischer Landbau) über dem Profitgedanken steht.[4]

Beispiele

BioBoden Genossenschaft, Ökonauten, Regionalwert AGs, BioHöfe Stiftung, Kulturland eG, Terre de liens (Frankreich), Terre en vue (Belgien)

Kategorie

Produktion (Märkte, Infrastrukturen)

Akteur*innen

Landwirtschaftliche Betriebe, Genossenschaftsmitglieder, Naturkostgroßhandel, Biomärkte, Biolebensmittelproduzenten[5]

Entwicklungsstand und -dynamik


Die Nische ist in Deutschland somit noch sehr jung, ihre Entwicklung erhält aber seit etwa 2015 durch den starken Anstieg der Landpreise eine deutliche Dynamik. Begrenzende Faktoren sind einerseits die mangelnde Bereitschaft der Bevölkerung, Genossenschaftsmitglieder zu werden oder Schenkungen an Stiftungen zu tätigen.[10] Andererseits begrenzen Bodenpreise sowie die Verfügbarkeit von Flächen die Handlungsmöglichkeiten der Genossenschaften.

Nachhaltigkeitspotenzial

Ökologisch

  • Biodiversität/Artenvielfalt (indirekt)
  • Boden (indirekt)
  • Wasser (indirekt)
  • Klima (indirekt)
  • Förderung von regionalen, geschlossenen Nährstoffkreisläufen

Ökonomisch

  • Armutsbekämpfung (indirekt)
  • Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe (indirekt)
  • Unterstützung von Akteuren mit positiven externen Effekten
  • Erhöhung der Ernährungssicherheit

Sozial

  • Partizipation (indirekt)
  • Bewusstsein / Bildung für nachhaltige Ernährung (indirekt)

Risiken / Nachteile

Teilweise fehlt es noch an der Bereitschaft der Bevölkerung, Genossenschaftsmitglieder zu werden oder Schenkungen an Stiftungen zu tätigen. Die hohen und steigenden Bodenpreise sowie die Verfügbarkeit von Flächen bleiben weiterhin eine Herausforderung für die Bodengenossenschaften und –stiftungen.

Fazit

Bodengenossenschaften und zum Teil auch Bodenstiftungen stellen Landwirten und Landwirtinnen Land zur Verfügung, wenn diese das Land nach festgelegten Kriterien bewirtschaften. Bodengenossenschaften und -stiftungen entziehen daher dem (Kapital-)Markt Land und unterstützen und schützen kleinstrukturelle Landwirtschaft, Jungbauern und Jungbäuerinnen sowie nachhaltige Bewirtschaftungsformen. Damit weisen Bodengenossenschaften/-stiftungen ein zwar eher indirektes, aber starkes Nachhaltigkeitspotenzial auf. Die adressierte Problematik wird in absehbarer Zeit weiterhin stark zunehmen, wodurch eine Förderung dieser Nische immer wichtiger wird. Derzeit werden sie allerdings u.a. durch hohe Bodenpreise sowie die Verfügbarkeit von Flächen in ihrem Ausbau beschränkt.


[1] BioBoden Genossenschaft (2018a): Mit Hilfe aller die Zukunft gestalten. Web, 23.06.2018. bioboden.de/aufgabe/unser-weg/

[2] Kipp, M., Heil, M. und Planer, J. (2016): Bodenpreise. Wie viel Steigerung ist noch zu ertragen? Bundeszentrum für Ernährung. Web, 23.06.2018. www.bzfe.de/inhalt/bodenpreise-2675.html

[3] Ökonauten EG (2018): Über uns. Web, 23.06.2018. www.oekonauten-eg.de/ueber-uns/

[4] Regionalwert AG (2018a): Bürgeraktiengesellschaft in der Region Freiburg. Wertpapierprospekt, S. 8. Web, 23.06.2018. www.regionalwert-ag.de/wp-content/uploads/2018/03/Wertpapierprospekt-Regionalwert-AG-Freiburg-1.pdf

[5] BioBoden Genossenschaft (2020): Ackerland in Bürgerhand. Web, 10.04.2020. bioboden.de/startseite/

[6] BioBoden Genossenschaft (2018b): Die wichtigsten Fragen und Antworten zu BioBoden. Web, 23.6.2018. bioboden.de/genossenschaft/fragen-antworten/

[7] Terre de Liens (2018): Chiffres Clefs. Web, 23.06.2018. terredeliens.org/-les-chiffres-clefs-.html

[8] Regionalwert AG (2018b): Die Regionalwert Treuhand. Web, 23.06.2018. www.regionalwert-rheinland.de/regionalwert-ag/regionalwert-ag-treuhand/

[9] Ökonauten eG (2018): Werde Ökonaut. Flyer. Web, 23.06.2018. www.oekonauten-eg.de/wp-content/uploads/2016/10/Flyer.pdf; BioBoden Genossenschaft: So wirkt BioBoden! Web, 23.06.2018. bioboden.de/partnerhoefe/

[10] BioBoden Genossenschaft (2018c): Die BioBoden Genossenschaft. Web, 23.06.2018. bioboden.de/genossenschaft/unternehmen/