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Effektive Mikroorganismen

Als ›Effektive Mikroorganismen‹ oder kurz ›EM‹ bezeichnet man gezielt zusammengestellte Mischungen von natürlich vorkommenden Mikroorganismen, mit denen mitunter Pflanzen und Böden geimpft werden, um die Bodenqualität und das Pflanzenwachstum zu verbessern. EM setzen sich aus sehr vielen mikrobiellen Spezies zusammen. Zu den wichtigsten zählen photosynthetisch aktive Bakterien, Milchsäurebakterien und Hefen[1]. Diese Mikroorganismen leben symbiontisch, sie unterstützen sich also gegenseitig.

 

Ziel und Innovation

Die Verwendung von EM zielt darauf ab, das mikrobielle Milieu allgemein zu stabilisieren und in eine Richtung zu verschieben, die für den jeweiligen Anwendungsbereich ideal ist. Beispielsweise sind Mikroorganismen wie Fäulniserreger in der Natur sehr wichtig für Abbau- und Umsetzungsprozesse, allerdings sind sie bei der Lagerung von Lebensmitteln unerwünscht. Hier können verschiedene Spezies in EM-Lösungen die Verbreitung von Fäulniserregern eindämmen und andere Krankheitserreger unterdrücken. Im Bereich der Pflanzenproduktion oder Bodensanierung können EM die Vielfalt von Organismen bereichern, die u.a. Nährstoffe im Boden aufspalten, sodass diese von den Pflanzen leichter aufgenommen werden können. In zahlreichen Studien wurde nach Impfung von EM eine Ertrags- und Qualitätssteigerung in der Pflanzenproduktion[2] und eine Steigerung der Bodenqualität durch höhere Vitalität des Bodenlebens[3] festgestellt. Auch in der Tierhaltung werden EM gesprüht, um Gerüche zu lindern, Keime und Fäulnis zu verringern und um die Gülle bereits im Stall aufzuwerten. Weitere neue Anwendungsbereiche sind Kosmetik, Körperpflege, Nahrungsergänzung und Trinkwasserreinigung[4].

Zu den Qualitäten von EM als Bio-Dünger liegen bereits Forschungsergebnisse vor, aus denen sich eine positive Düngewirkung ableiten lässt[5]. Eine auch im westlichen Kulturraum bekannte EM-Anwendung ist Bokashi. Bokashi bedeutet fermentiertes Allerlei[6], das in Japan hauptsächlich aus Reiskleie, Ölmühlen-Presskuchen oder Fischresten besteht. Dieses wird mit EM fermentiert. In manchen Versuchen konnte dadurch eine verbesserte Bodenqualität beobachtet werden[7].

Beispiele

Emiko, TriaTerra, Dimikro, EM e.V. - Gesellschaft zur Förderung regenerativer Mikroorganismen, EMRO, Agriton

Kategorie

Vorleistung, Produktion, Konsum

Akteur*innen

Produzenten und Produzentinnen (z.B. Gemüsebau) in fast allen Bereichen mit hohem Hygienestandard

Entwicklungsstand und -dynamik

Eine digitale weltweite EM-Gemeinschaft hat sich im Internet etabliert und leistet regen Wissensaustausch. Dadurch wurde eine Vielzahl von neuen Anwendungsbereichen neben der Verbesserung der Bodenqualität erschlossen, wie z.B. die Anwendung am Menschen (Trinkwasseraufbereitung, Darmsanierung, Nahrungsergänzungsmittel), in der Tierhaltung (Stall- und Käfigreinigung, Tierpflege, Futterergänzung, Appetitanreger, Infektionsbehandlung, Wundheilung), in Gewässern (natürliche Reinigung von Teichen und Seen), in der Abfallwirtschaft (Geruchsvermeidung) und im Haushalt (Pflege- und Reinigungsprodukte). Aufgrund der guten Vernetzung der weltweiten EM-Gemeinschaft gibt es eine Vielzahl von Anleitungen und Seminaren zur Herstellung und Vermehrung von EM.In vielen Ländern nehmen die neu gegründeten Firmen mit eigenen EM-Marken zu. Auch in Deutschland gibt es bereits Forschungsprojekte[8] und einige Unternehmen, die eine breite Palette von EM-Produkten anbieten. Hier besteht noch viel Spielraum zum Erfahrungsaustausch zwischen Akteuren und Akteurinnen aus Deutschland und Europa.

Nachhaltigkeitspotenzial

Ökologisch

  • Biodiversität/Artenvielfalt (indirekt)
  • Boden
  • Wasser
  • Luft (indirekt)
  • Ressourceneffizienz in Produktion und Konsum
  • Förderung von regionalen, geschlossenen Nährstoffkreisläufen (indirekt)

Ökonomisch

  • Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe (indirekt)
  • Erhöhung der Ernährungssicherheit (indirekt)

Sozial

  • Gesundheit (indirekt)
  • Tierwohl

Risiken / Nachteile

Es wird kritisiert, dass EM-Versuche aufgrund des komplexen Wissens zur Zusammensetzung von EM nicht einfach selbst zu reproduzieren sind.[9] Zudem fehle es trotz verschiedener Forschungsprojekte mit ersten positiven Ergebnissen noch an einer Vielzahl von mehrjährigen Studien, die einen positiven Einfluss sicher nachweisen können. Allerdings fehlt es ebenso an Studien, die im Gegensatz dazu die Gefährdung von Menschen, Tieren oder der Umwelt nachweisen könnten. Im Gegensatz zu EM als Bodenhilfsstoffe hat die Mehrheit der EM-Lösungen zur Behandlung des Körpers und zum Trinken in Europa noch keine gesetzliche Zulassung. Sie werden vor allem von Ärzten und Ärztinnen noch skeptisch betrachtet.

Die Möglichkeit, mit EM-Lösungen die Futteraufnahme von Tieren anzuregen bzw. zu erhöhen, sollte in Anbetracht des daraus resultierenden zeitlichen und monetären Anreizes[10] für Nutztierhalter und Nutztierhalterinnen mit Vorsicht genossen werden, da dies unter Umständen bei übermäßiger Anwendung negative gesundheitliche Folgen für die Nutztiere mit sich bringen könnte.


[1] Higa, T., & Parr, J. F. (1994): Beneficial and effective microorganisms for a sustainable agriculture and environment. International Nature Farming Research Center; Iwahori, H. and T. Nakagawara (1996): Studies on EM application in nature farming V. Applying methods of EM bokashi in vegetable culture. Annual Meeting of Japanese Society of Soil Science and Plant Nutrition. Tokyo.; Iwashi, S. (1994): Effects of EM bokashi on various paddy-rice varieties. Annual Meeting of Asia-Pacific Nature Agriculture Network. ; Suzuki, Y. (1985): Effects of effective microorganisms on yield and quality of gin-seng herbs. Symposium of Applied Soil Microbiology. November 22, 1985, Urazoe, Okinawa.

[2] Asia-Pacific Natural Agriculture Network (1995): EM application manual for APNAN countries. M. Shintani. Asia-Pacific Natural Agriculture Network, Bangkok, Thailand.

[3] Higa, T., & Parr, J. F. (1994): Beneficial and effective microorganisms for a sustainable agriculture and environment. International Nature Farming Research Center.

[4] EMIKO Handelsgesellschaft mbH. (o. J.): EMIKO Online Shop. Web, 13.10.2019.https://www.emiko.de/shop/

[5] Shokouhian, A.A. (2019): The effect of application of EM Bio fertilizer and Urea on Strawberry (Fragaria ananassa cv. Paros) for Sustainable Agriculture. Journal of Water and Soil Conservation, Vol. 26(2), 2019; DOI: 10.22069/jwsc.2019.14138.2886

[6] DIMIKRO GmbH. (o. J.): Bokashi Eimer—Organischen Bokashi Dünger aus Bio-Abfall selbst herstellen. Web, 13.10.2019.https://www.em-kaufhaus.de/Bokashi

[7] Noparatraraporn, N. (1996): Thailand collaborative research on evaluation of EM and EMproducts, their feasibility testing and effects of their uses on agriculture and environment. Open Symposium: Present Situations and Prospects of Microorganismsas Agricultural Materials. August 1996, Tokyo.

[8] BBIB (2019): Vielfalt in der Uckermark. Forschungsprojekte 2015-2018. Universität Potsdam. Freie Universität Berlin. Freie Universität Berlin und Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF). Juni 2019: Braunschweig. S.34-39.

[9] Higa, T., & Parr, J. F. (1994): Beneficial and effective microorganisms for a sustainable agriculture and environment. International Nature Farming Research Center. S. 7-8.

[10] Rackl, C. (2006): Praktische Erfahrungen mit effektiven Mikroorganismen (EM) in Pflanzenbau und Tierhaltung. Fachhochschule Weihenstephan. S. 87.