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Vertical Farming

Steckbrief des Projekts "Sozial-ökologische Transformation des Ernährungssystems"

Vertical Farming ist eine Unterkategorie des ZeroAcreage Farming, auch ›ZFarming‹ genannt. Letzteres beschreibt Formen der urbanen Landwirtschaft, die ohne die Nutzung herkömmlicher landwirtschaftlicher Nutzflächen auskommen. Hierzu zählt der Anbau in (Vertical Farming), an (begrünte Gebäudewände) und auf Gebäuden (Gärten und Gewächshäuser auf Hausdächern).[1] Vertical Farming als Unterkategorie umfasst den Indoor-Anbau und vertikale Gewächshäuser in Hallen, Schränken, Kellern und Untergeschossen (auch ›Underground farming‹ genannt) von Gebäuden. Hier wachsen Pflanzen mit künstlichem Licht ohne Erde- und Bodenkontakt (u.a. aufgrund des Gewichtsvorteils) in vertikal übereinander gestapelten Regalen.[2] Anstelle von Erde finden die Pflanzen meist Halt in Substraten, wie Steinwolle, Koksfasern, Hanffasern, Blähton etc. Die nötigen Nährstoffe werden in Form von Nährlösungen über einen Wasserkreislauf (Hydroponik) oder zerstäubt über Wasserdampf (Aeroponik) hinzugefügt.

Ziel und Innovation

Das Bepflanzen von Stadtflächen wie bspw. durch die Begrünung von Innenhöfen und Dächern ist ein zunehmender Trend moderner Städte(→ Essbare Städte). Die Idee des vertikalen Anbaus von Pflanzen über mehrere Ebenen verspricht darüber hinaus, die benötigte Fläche zum Anbau von Lebensmitteln zu reduzieren und Transportwege zu verkürzen[3]. Durch technologische Lösungen sollen Temperatur, Lichtspektrum und Nährstoffe genau an die Pflanzen angepasst und damit eine ganzjährige Produktion möglich werden[4]. Damit hat der vertikale Anbau das Potenzial, die Ernährungssicherheit zu erhöhen und zudem einen Anlaufpunkt für Ernährungsbildung und den Kontakt zwischen Produzenten und Produzentinnen und Konsumenten und Konsumentinnen zu schaffen. Als ökologische Vorteile des ZFarmings werden neben der Versorgung mit lokal angebauten Lebensmitteln verbesserte Möglichkeiten zum Recyceln von organischen Abfällen, Abwässern und Abwärme aufgeführt.[5]

Beispiele

Infarm, Good Bank

Kategorie

Produktion (Technologien, Infrastrukturen)

Akteur*innen

Produzenten und Produzentinnen, Konsumenten und Konsumentinnen, Stadtplaner und Stadtplanerinnen, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen

Entwicklungsstand und -dynamik


Vertikale Farmen sind inzwischen in verschiedenen Pilotprojekten weltweit zu finden. Das kleine Berliner Start-Up ›infarm‹, welches Farmmodule mitten in Berlin anbietet, wurde 2013 gegründet.[7] Während Urban Farming im deutschsprachigen Raum inzwischen verbreitet ist, konnte sich die Idee des Vertical Farming noch nicht etablieren[8]. Als Herausforderungen gelten neben hohen Investitionskosten ungelöste technische Fragen wie bspw. der hohe Energieverbrauch durch die künstliche Beleuchtung sowie mangelnde Akzeptanz von auf Substrat basierenden Anbautechniken[9].

Nachhaltigkeitspotenzial

Ökologisch

  • Boden (indirekt)
  • Wasser
  • Klima
  • Ressourceneffizienz in Produktion und Konsum
  • Förderung von regionalen, geschlossenen Nährstoffkreisläufen

Ökonomisch

  • Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe
  • Erhöhung der Ernährungssicherheit
  • Förderung der Kreislaufwirtschaft
  • Faire Erzeugerpreise

Sozial

  • Soziale Gerechtigkeit
  • Bewusstsein / Bildung für nachhaltige Ernährung (indirekt)

Risiken / Nachteile

Es könnte sich einNachteil durch zusätzlichen Druck auf den Wohnungsmarkt in urbanen Regionen sowie den derzeit noch hohen Energieverbrauch durch künstliche Beleuchtung ergeben. Weiterhin stellen hohe Investitionskosten eine Hürde für neue Projekte mit vertikalem Anbau dar. Auf der Konsumentenseite könnte die mangelnde Akzeptanz von auf Substrat basierenden Anbautechniken die Ausbreitung hemmen. Eine Bio-Zertifizierung von Pflanzen, welche nicht organisch, also in Erde, angebaut werden, ist bislang ausgeschlossen[10].

Fazit

Vertical Farming bezeichnet den Indoor-Anbau durch vertikale Gewächshäuser in Hallen, Schränken, Kellern und Untergeschossen von Gebäuden. Hier wachsen Pflanzen mit künstlichem Licht ohne Erde- und Bodenkontakt in vertikal übereinander gestapelten Regalen, wobei sie die nötigen Nährstoffe über einen Wasserkreislauf (Hydroponik) oder Wasserdampf (Aeroponik) erhalten. Vertical Farming wird mit Sicherheit weiter in den Mainstream wachsen. Hierbei sind jedoch gemischte Nachhaltigkeitseffekte zu erwarten, insbesondere in Bezug auf Energieeffizienz, Ursprung des Substrates, tatsächlicher Plastikverbrauch für den Materialbedarf sowie Exklusivität der Technologieausstattung. Es ist nicht geklärt, ob es tatsächlich einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherheit liefert oder ob zukünftig aufgrund der hochpreisigen nötigen Investitionen eher hochpreisige ›Superfoods‹ angebaut werden. Anpassungen im Bau- und Planungsrecht könnten die Ausweitung der Nische begünstigen.


[1]Specht et. al (2014): Urban agriculture of the future: an overview of sustainability aspects of food production in and on buildings. In: Agriculture and Human Values, Volume 31, S. 33-51.

[2] ebd.

[3]Maier-Sohn (2018): Vertical Farming. Web, 28.05.2018. www.wir-ernten-was-wir-saeen.de/vertical-farming

[4]Pflanzenforschung.de (2018): Vertical Farming. Web, 28.05.2018. www.pflanzenforschung.de/de/themen/lexikon/vertical-farming-10036

[5]Specht et al (2014)

[6] Pflanzenforschung.de (2018)

[7] Startup mit Sitz in Berlin: "Infarm (Indoor Urban Farming GmbH) ist ein im Jahr 2013 in Berlin gegründetes Start-up-Unternehmen, das mit dem Konzept des Vertical Farming ökologisch erzeugte Kräuter und Gemüsesorten direkt in Restaurants oder in Verkaufseinrichtungen etabliert hat und dort vermarktet bzw. verkauft.“ Weitere Informationen unter:  infarm.de

[8] Maier-Sohn (2018)

[9] Specht et al. (2014)

[10]  Europäische Kommission (2008): Verordnung (EG) Nr. 889/2008 der Kommission. 5. September 2008, Web, 26.03.2020. www.gfrs.de/fileadmin/files/eg_vo_889-2008.pdf